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Studentenwerk SH passt Semesterbeitrag an

15.08.2018

Studentenwerksbeitrag steigt ab Sommersemester 2019 auf 63 Euro

Im Rahmen der kürzlich stattgefundenen Verwaltungsratssitzung des Studentenwerks SH in der Mensa I in Kiel beschlossen die Mitglieder einstimmig, den Semesterbeitrag mit Wirkung zum Sommersemester 2019 von 53 auf 63 Euro anzuheben.
 
„Seit sieben Jahren verzeichnen wir konstante Beiträge“, erklärt Geschäftsführerin Susann Schrader. „Nun ist eine Erhöhung um 10 Euro notwendig, um unser Leistungsangebot für die Studierenden weiter aufrechtzuerhalten“. Als Gründe nennt Schrader die überdurchschnittlichen tariflichen Lohnsteigerungen im öffentlichen Dienst, die Inflation sowie die unter anderem von der Kultusministerkonferenz prognostizierte rückläufige Entwicklung der Studierendenzahlen in Schleswig-Holstein.
 
„Ohne eine Beitragsanpassung“, bekräftigt Schrader, „lässt selbst der moderate Rückgang der Studierendenzahlen eine sukzessiv anwachsende Finanzierungslücke erwarten. Die Möglichkeit von Leistungseinschränkungen wie die Schließung von Cafeterien oder eine deutliche Erhöhung der Mensapreise stellt für uns keine Alternative dar.“ Die Erhöhung um 10 Euro hält die Geschäftsführerin für angemessen. Zum einen werde hierdurch der aufgelaufenen Inflation und den tariflichen Steigerungen Rechnung getragen. Zum anderen liege das Studentenwerk SH damit immer noch unter dem Bundesdurchschnitt der Studentenwerksbeiträge von 68 Euro (siehe https://www.studentenwerke.de/de/content/studentenwerke-im-zahlenspiegel-20162017).
 
Das Studentenwerk SH ist im Auftrag des Landes und als Partner der Hochschulen für die Aufgabenfelder Hochschulgastronomie, Ausbildungsförderung, Wohnen, psychosoziale Beratung, internationale Studierende, Kinderbetreuung und Kultur verantwortlich. Die Finanzierung dieser Leistungen erfolgt zu 56 Prozent durch Umsatzerlöse aus den Bereichen Hochschulgastronomie, Wohnen und Kindertagesstätten, zu 27 Prozent durch Zuschüsse des Landes und der Kommunen sowie zu 17 Prozent durch die Semesterbeiträge der Studierenden. Der Beschluss zur Semesterbeitragserhöhung basiert auf einer gründlichen Analyse der Entwicklung der einzelnen Finanzierungsposten.
 
Der Landeszuschuss wurde in den Jahren 2010 bis 2012 sukzessive von 3 Millionen auf 2 Millionen Euro gekürzt. Begründet war dies mit der angespannten Haushaltslage des Landes. Zwischen 2012 und 2016 blieb dieser Zuschuss konstant und erfuhr keinerlei Inflationsausgleich. Erst in 2016 und 2017 wurde dies nachgeholt, indem eine leichte Anhebung um jeweils 0,2 Millionen Euro beschlossen wurde (siehe Abb. 1). Dennoch ist der ursprüngliche Zuschuss aus dem Jahr 2009 bei Weitem nicht erreicht. Auch ist eine Anhebung des Zuschusses für die nächsten Jahre nicht zu erwarten.
 
Anpassungen des Semesterbeitrages erfolgten in sehr unregelmäßigen Zeiträumen und nur aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten. In den Jahren 1991 bis 2005 wurde durchschnittlich alle 2,7 Jahre geringfügig erhöht. Ab dem Jahr 2005 ist man dazu übergegangen, die Beträge über einen längeren Zeitraum stabil zu halten und dafür die Erhöhungen größer ausfallen zu lassen. Die letzte Beitragsanpassung erfolgte im Jahr 2012 nach 7,5 Jahren mit stabilen Beiträgen. Seitdem verzeichnet das Studentenwerk SH wieder seit 7 Jahren – gerechnet bis zum Sommersemester 2019 – gleichbleibende Beiträge (siehe Abb. 2).
 
Die Studierendenzahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Hierdurch fiel die Summe an gezahlten Semesterbeiträgen leicht höher aus als geplant. Daher konnte eine Anhebung der Beiträge für sieben Jahre vermieden werden, obgleich die überdurchschnittlichen tariflichen Lohnsteigerungen im öffentlichen Dienst zu jährlich wachsenden Kostensteigerungen führten und der Landeszuschuss auf einem niedrigen Niveau verharrte.
 
Der Zuwachs an Studierenden wird sich aber laut der Kultusministerkonferenz nicht fortsetzen (siehe https://www.kmk.org/dokumentation-statistik/statistik/hochschulstatistik/vorausberechnung-der-studienanfaengerzahlen-2014-bis-2025.html). So soll die Zahl der Studienanfänger*innen in den Jahren 2018 bis 2025 in Schleswig-Holstein um durchschnittlich 1 Prozent pro Jahr zurückgehen. Auch das Centrum für Hochschulentwicklung prognostiziert einen Rückgang der Studienanfänger*innen von 2018 bis 2024 von bundesweit insgesamt ca. 10 Prozent (siehe http://www.che.de/downloads/CHE_AP_203_Prognose_Studienanfaengerzahlen_bis_2050.pdf). Auch wenn Prognosen für die Zukunft unsicher sind, muss dieser voraussichtlichen Entwicklung bei der Finanzplanung im Studentenwerk SH Rechnung getragen werden.
 
Die Tariflöhne im öffentlichen Dienst sind in den letzten 7 Jahren um durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr gestiegen. Die jährliche Inflationsrate betrug ca. 1,16 Prozent. Setzt man eine Gewichtung dieser Posten gemäß den Jahresabschlussberichten der letzten Jahre an (66 Prozent Löhne, 33 Prozent Materialien etc.), so führte allein dies im Studentenwerk in den letzten 7 Jahren zu einer finanziellen Mehrbelastung in Höhe von insgesamt 16,3 Prozent.

 

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske