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Medizin der Zukunft: Chronisch-entzündliche Erkrankungen maßgeschneidert behandeln

17.02.2020

Internationale Fachleute diskutieren interdisziplinär die neuesten Fortschritte bei der Entwicklung individuellerer Behandlungsstrategien in der Entzündungsmedizin

Seit dem Montag, 17. Februar, läuft das 7. Internationale Symposium des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) in Hamburg. Auf der hochkarätig besetzten Fachtagung diskutieren rund 250 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Klinik und Grundlagenforschung noch bis Dienstagabend die neuesten Fortschritte in der Entzündungsmedizin.

Der Fokus der Veranstaltung liegt dabei auf der sogenannten Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen. Damit ist eine personalisierte Therapie gemeint, die die Unterschiede einzelner Patientinnen und Patienten stärker als bisher berücksichtigt. Ziel ist es u.a. messbare biologische Marker zu finden, die voraussagen zu können, welche maßgeschneiderten Therapien für jeden individuellen Fall eingesetzt werden.

Der einladende schleswig-holsteinische Exzellenzcluster PMI hat sich zum Ziel gesetzt, Präzisionsmedizin durch Forschung voranzutreiben und in die medizinische Anwendung zu bringen. Die Translation der Forschungsergebnisse in die Klinik spielt daher auch bei der Veranstaltung eine wichtige Rolle.


Individuelle Unterschiede erkennen und therapeutisch nutzen

Immer mehr Menschen vor allem in den Industrienationen leiden an chronischen Entzündungserkrankungen, wie zum Beispiel Morbus Crohn, Schuppenflechte, Diabetes oder Rheuma. Die Erkrankungen unterscheiden sich nicht nur untereinander, sondern auch von Mensch zu Mensch. So ist Morbus Crohn nicht gleich Morbus Crohn und Rheuma nicht gleich Rheuma. Ein bei einem Betroffenen sehr wirksames Medikament kann beim nächsten deutlich weniger erfolgreich sein. Hier setzt die Präzisionsmedizin an. Dahinter steckt der Ansatz die individuellen Unterschiede zwischen einzelnen Betroffenen bei einer Krankheit zu erkennen und diagnostisch wie therapeutisch nutzbar zu machen. Darauf basierend soll dann in Zukunft die am besten passende Therapie ausgewählt werden.

Vorhersagen, welche Therapie helfen wird

 „Bei chronischen Entzündungserkrankungen haben wir das Problem, dass ein Medikament bei einigen Erkrankten gut wirkt und bei anderen nicht. Aktuell können wir das überwiegend nur durch Ausprobieren herausfinden“, sagt der Cluster-Sprecher Professor Stefan Schreiber, Direktor des Instituts für klinische Molekularbiologie (IKMB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Direktor der Klinik für Innere Medizin I am UKSH, Campus Kiel.

„Schon vor Therapiebeginn vorherzusagen, welche Behandlung bei der individuellen Patientin oder dem individuellen Patienten am erfolgreichsten sein wird, ist daher ein wichtiges Ziel unserer Forschung“, so Schreiber weiter.
Die Identifizierung geeigneter Biomarker, also messbarer Indikatoren, mit deren Hilfe Ärztinnen und Ärzte zukünftig erkennen können, ob eine Therapie wirksamer und besser verträglicher sein wird oder nicht, ist daher auch ein wichtiges Thema auf dem internationalen Symposium in Hamburg.

Ein weiteres zentrales Themenfeld ist das sogenannte Darmmikrobiom: Die im menschlichen Darm lebenden Mikroorganismen spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Entzündungserkrankungen, das zeigen immer mehr Studien. Beim Symposium geht es daher unter anderem darum, ob und wie gezielte therapeutische Eingriffe in das Mikrobiom künftig ein wichtiges Instrument der Präzisionsmedizin sein werden.

Innovative Therapiemöglichkeiten für die Anwendung im Hier und Jetzt

Im Rahmen des internationalen Symposiums lädt der Exzellenzcluster am Dienstagabend ab 18:30 Uhr Ärztinnen und Ärzte zum einem klinischen Symposium mit dem Titel „Individualisierte Medizin für chronisch entzündliche Erkrankungen in der Pulmologie, Rheumatologie, Dermatologie und Gastroenterologie“ ins Radisson Blu Hotel, Hamburg Dammtor ein.

Internationale und deutsche Expertinnen und Experten geben Einblicke in die neuesten Therapiemöglichkeiten entzündlicher Erkrankungen und deren Wirkmechanismen. Denn noch gehört die Präzisionsmedizin zwar nicht zur Standardbehandlung, doch sie nimmt Fahrt auf.

„Für die Behandlung von chronischen Entzündungen sind bereits einige neuartige Medikamente auf den Markt gekommen, mit denen wir die Behandlung noch präziser als bisher an den zugrundeliegenden molekularen Mechanismen der individuellen Betroffenen ausrichten können. Mit der Fortbildung möchten wir den praktizierenden Kolleginnen und Kollegen einen aktuellen Überblick liefern“, sagt Mitorganisator Professor Diamant Thaçi, Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters und Leiter des Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin am UKSH, Campus Lübeck.
 

Weitere Informationen:

Exzellenzcluster „Precisions Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI): precisionsmedicine.de  
Programm des Internationalen Symposiums: precisionmedicine.de/symposium2020  
Klinisches Symposium: www.precisionmedicine.de/de/aktuelles/klinisches-symposium-des-exzellenzclusters-pmi

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske