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China: Sorge um flächendeckenden Aufkauf deutscher Firmen übertrieben

05.04.2019

Chinas Investitionen stiegen in den letzten Jahren weltweit stark an, dürften ihren Höhepunkt aber bereits überschritten haben, weil das Land keine Leistungsbilanzüberschüsse mehr erzielt. Deutschland scheint für chinesische Investoren besonders attraktiv, der Boom der letzten Jahre geht aber auf einzelne große Transaktionen zurück. Deutschland hat 2018 deutlich mehr im Ausland investiert als China. Die Sorge vor einem systematischen und flächendeckenden Aufkauf deutscher Unternehmen ist daher übertrieben.

Die Angst der deutschen Öffentlichkeit vor Investoren aus China ist laut Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), übertrieben und anhand der vorliegenden Zahlen nicht begründbar. „Leider wird die Diskussion um die Rolle Chinas als Investor ziemlich evidenzbefreit geführt“, sagte er heute anlässlich der Veröffentlichung einer Studie, die Chinas Auslandsinvestitionen genauer analysiert. Die Autoren untersuchen darin im Zeitraum von 2005 bis 2018 rund 1500 Transaktionen über chinesische Direktinvestitionen im Ausland sowie etwa 1600 Baukontrakte jeweils mit einem Volumen über 100 Millionen US-Dollar.

Demnach lagen Investitionen und Baukontrakte 2005 noch auf einem zu vernachlässigbarem Niveau von jeweils zirka 10 Milliarden US-Dollar und stiegen dann bis 2017 stetig an, als ein Investitionsvolumen von 177 Mrd. US-Dollar erreicht wurde und neue Baukontrakte in Höhe von 103 Mrd. US-Dollar geschlossen wurden. Als Motiv hinter den starken Zuwächsen vermuten die Autoren schwache Renditen in China selbst. Zudem erfahren die Investoren politische Begleitung durch die Initiative Neue Seidenstrasse (Belt-and-Road-Initiative; BRI).

Im Mittel handelt es sich bei knapp drei Viertel des Investitionsvolumens um Übernahmen und Zusammenschlüsse, welche besonders in der Kritik stehen. Ein Viertel geht in so genannte „Greenfield Investments“, wo neue wirtschaftliche Aktivität geschaffen wird.

2018 ging das Investitionsvolumen auf 106 Mrd. US-Dollar zurück (minus 40 Prozent), neue Baukontrakte wurden noch im Wert von 73 Mrd. US-Dollar geschlossen (minus 29 Prozent). Ursächlich dürfte das schwächere Wirtschaftswachstum in China selbst sein und die damit einhergehenden politischen Maßnahmen wie verstärkte Kapitalkontrollen und erhöhte Liquiditätserfordernisse.

Zur Langfassung der Meldung mit Zahlen und Grafiken auf der Seite des IfW Kiel

Die Analyse „Chinas ausländische Direktinvestitionen: Ein Überblick” der Autoren Gabriel Felbermayr, Moritz Goldbeck und Alexander Sandkamp erscheint als Policy Brief und demnächst im ifo Schnelldienst.

 

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Foto rechts:
Landeshauptstadt Kiel / Referat für Wissenschaft