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Aktionstag gegen sexualisierte Gewalt an der Uni Kiel

27.11.2019

CAU-Vizepräsidentin kündigte Richtlinie gegen Gewalt und Diskriminierung an

Gewalt an Frauen und Mädchen ist immer noch alltäglich – eine Problematik, die auch vor den Grenzen des Campus nicht Halt macht. Trotz Debatten wie #MeToo stellen sexualisierte Grenzverletzungen in weiten Teilen der Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema dar.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen bezog die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gestern, 25. November, eine klare Position. Mit einem Aktionstag machten CAU-Angehörige hochschulintern auf die Problematik aufmerksam und sagten: „Nein zu Gewalt an Frauen“.

An Hochschulen als Arbeits- und Ausbildungsstätten können Abhängigkeitsverhältnisse und Machtgefälle zwischen Lehrenden und Studierenden sowie Doktorand*innen, Vorgesetzten und Beschäftigten Sexismus, sexuelle Übergriffe, dysfunktionale Beziehungen und Mobbing begünstigen.

Professorin Anja Pistor-Hatam, CAU-Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten, Internationales und Diversität, sprach sich in ihrem Grußwort klar gegen Gewalt aus und sagte: „Wir zeigen Flagge gegen sexualisierte Gewalt, wie Sie diese Woche am Westring sehen können.“ Sie kündigte an, dass die CAU zurzeit an einer Richtlinie gegen Gewalt und Diskriminierung arbeite, die unter anderem auch Maßnahmen zu einem besseren Schutz vor sexualisierter Gewalt beinhalten werde.

Die Geschäftsführerin vom Kieler Petze-Institut für Gewaltprävention, Ursula Schele, sprach in ihrem interaktiven Vortrag „Damit haben wir doch kein Problem! Oder?“ zum Umgang mit sexualisierter Grenzverletzung und Gewalt im Hochschulkontext. Die Expertin hat 40 Jahre Berufserfahrung und erhielt für ihre Arbeit im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz.

In ihrem Vortrag zeigte sie Handlungsstrategien zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt auf. Ihre Botschaft lautete: „Sprechen Sie Betroffene an, wenn sie sexualisierte Übergriffe bemerken. Wenn Sie selbst betroffen sind, schweigen Sie nicht, sondern holen Sie sich Unterstützung in ihrem Bekanntenkreis oder in Beratungsstellen. Und lassen Sie sich nicht einreden, Sie seien an einem Übergriff womöglich selbst schuld.“


Zwei von drei Frauen erleben sexuelle Belästigung im Laufe ihres Lebens

Um den rund 50 Teilnehmenden zu verdeutlichen, wie verbreitet sexuelle Belästigung und Gewalt in Deutschland sind, stellte Schele Ergebnisse wissenschaftlicher Studien vor: Demzufolge erleben zwei von drei Frauen im Laufe ihres Lebens sexuelle Belästigung.

Jede sechste Frau (18 Prozent) erlebt sie zwischen ihrem 16. und 65. Lebensjahr am Arbeitsplatz. „An Hochschulen sind Studierende, genauer gesagt Kommilitoninnen und Kommilitonen, mit über 80 Prozent die am häufigsten betroffene Gruppe von sexualisierten Übergriffen“, betonte Schele. „Die Auswirkungen solcher Situationen auf das Studium sind enorm: Die Leistungen Betroffener verschlechtern sich, das Studium wird unter- oder abgebrochen und bestimmte Lehrveranstaltungen oder Orte werden gemieden.“

Daher lobte sie das Engagement von Vizepräsidentin Pistor-Hatam, denn „Verbesserungen in Einrichtungen gelingen nur, wenn sie top-down ausgeführt werden.“

Auch wenn meist Frauen Opfer – und seltener Täterinnen – sexueller Gewalt sind, ereilt auch Männer dieses Schicksal. Schele bedauerte, dass Jungen und Männer in ihrer Bedürftigkeit seltener ernst genommen würden und häufiger mit Klischees zu kämpfen hätten. Sie forderte daher, dass über dieses Thema mehr geforscht werden müsse.

Flagge zeigen gegen Gewalt an Frauen

Weltweit unterstützen Mitstreitende seit 2001 jährlich am 25. November die Initiative „Flagge zeigen“ vom Menschenrechtsverein TERRE DES FEMMES. Sie fordern, dass jeder Tag ein Tag ohne Gewalt an Frauen und Mädchen sein müsse. Die CAU beteiligte sich erstmals im November 2015 an der Aktion und hisste auch in diesem Jahr für eine Woche Flaggen mit der Aufschrift „frei leben – ohne Gewalt“ (auf Deutsch, Englisch und Türkisch) an ihren Fahnenmasten am Westring.


Unihochhaus erstrahlte wieder orange

Die CAU setzte noch ein weiteres Zeichen gegen Gewalt an Frauen: Am Abend ließen Informatik-Studierende des „Project Lighthouse“ in Kooperation mit dem Kieler Zonta Club das Unihochhaus wieder orange erstrahlen. Bereits im vergangenen Jahr beteiligte sich die CAU an dieser Aktion.


Weitere Informationen:

Über das Beratungsangebot „Basta“ für Studierende:
„Basta“ ist ein Beratungsangebot des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der CAU, das in Kooperation mit dem Frauennotruf Kiel e.V. besteht. Das Angebot richtet sich an alle Studierende, die sexualisierte, körperliche oder psychische Gewalterfahrungen erlebt haben oder Opfer von Stalking geworden sind.
www.asta.uni-kiel.de/beratung/asta-beratungsangebote/beratung-fuer-studierende-mit-gewalterfahrungen/

Über die Präventionsarbeit von Petze:

https://petze-kiel.de

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Fotos rechts: Farah Claußen / Uni Kiel