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Neue algen-basierte Kosmetik

25.01.2018

GEOMAR-geleitetes Baltic Blue Biotechnology Alliance Konsortium verzeichnet ersten Erfolg durch Marktstart von Ostsee-Biokosmetik-Produktlinie

Nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen für die Medizin, Nahrungsmittel oder Kosmetik – dies ist das erklärte Ziel der marinen Biotechnologie. Nun ist das erste Produkt, das im Rahmen des vom GEOMAR geleiteten Baltic Blue Biotechnology ALLIANCE Projektes entwickelt wurde, auf den Markt gekommen. Eine estnische Firma hat eine auf Ostsee-Algen basierende Kosmetiklinie entwickelt, die eine Tages- und Nachtcreme sowie eine spezielle Creme für Herren beinhaltet.

Medizin, Kosmetik, Nahrungs- und Futtermittel, Biokraftstoffe… der Sektor der marinen Biotechnologie hat enormes wirtschaftliches Potential für die Entwicklung verschiedenster innovativer mariner Produkte und Dienstleistungen. Das am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel geleitete Projekt Baltic Blue Biotechnology Alliance (ALLIANCE) hat zum Ziel, einschlägige Expertise und Ressourcen anzubieten, um den Weg von der „Idee zum vermarktbaren ,blauen‘ Produkt“ abzuschließen.

Jetzt hat das estnische Unternehmer-Ehepaar Janno und Berit Joosep (Furcella OÜ, Tallinn, Estland) nach ihrer Aufnahme in das Mentoring Programm der ALLIANCE im Oktober 2016 die Kosmetikproduktlinie „Berrichi“ auf den Markt gebracht, vollständig „Made in the Baltic Sea Region (im Ostseeraum hergestellt)“. Die Rezeptur der Berrichi-Gesichtscremes, die als Tages- und Nachtpflege und als spezielle Creme für den Herrn erhältlich sind, beinhaltet als wesentliche Zutat den aus der Ostsee-Rotalge Furcellaria lumbricalis gewonnene Stoff Furcellaran. Die Produkte sind über die firmeneigene Webseite (https://www.berrichi.ee/) sowie lokale Kosmetikgeschäfte erhältlich.    

 „Ich bin dem ALLIANCE-Konsortium für seine große Hilfe und das Mentoring sehr dankbar“, erklärt Janno Joosep, „bevor wir Teil der ALLIANCE wurden, hatten wir nur ein Rezept und eine optimistische Idee, aber alles ging nur sehr langsam voran. Mit der Mitgliedschaft in der ALLIANCE stieg auch wieder die Motivation, das Projekt voranzutreiben und nun sind innerhalb eines Jahres unsere Produkte fertiggestellt und auf dem estnischen Markt erhältlich.“ Die Geschichte hinter dem Produkt erzählt Janno so: “Meine Frau und ich waren auf einer Urlaubsreise in Bali und bemerkten, dass sehr alte Fischer, deren Gesichter bereits tiefe Falten aufwiesen, samtweiche Hände hatten. Der Grund dafür ist offensichtlich, dass die Fischer ihre Netze täglich von Algen befreien und die Hände daher regelmäßig direkt in Kontakt mit den Algen kommen.“

Das vom ALLIANCE-Konsortium etablierte Mentoring-System und Netzwerk ermöglichte es Furcella OÜ, mit Anbietern des Algen-Rohmaterials aus dem Ostseeraum Verbindung aufzunehmen und darüber hinaus Unterstützung bezüglich Marketing und Regeln des Kosmetikmarktes zu erhalten. Diese erste Erfolgsgeschichte zeigt die dynamische transnationale und transdisziplinäre Kooperation zwischen verschiedenen Blue-Biotech-Akteuren, die im Ostseeraum im Rahmen der ALLIANCE stattfindet und wie effektiv es ist, die verschiedenartigen Expertisen der Partner zu bündeln.

Furcella OÜ wird seine Arbeit mit den Partnern in der ALLIANCE fortsetzen: Weitere Ziele sind nun, einen „blauen“, algenbasierten Biokunstoff für die Verpackung der Kosmetikprodukte zu finden und die Produkte auch in anderen europäischen Ländern, besonders in Deutschland und Schweden, auf den Markt zu bringen.

„Furcella ist ein großer Erfolg für unser ALLIANCE-Mentoring Programm. Die Berrichi Produkte sind das Ergebnis einer fruchtbaren, interdisziplinären Kooperation zwischen den Partnern im Ostseeraum und einem estnischen start-up, das sich zum Ziel gesetzt hatte, traditionelles Wissen in natürliche Kosmetik zu übertragen“, sagt Prof. Deniz Tasdemir, Leiterin der Forschungseinheit Marine Naturstoffchemie/GEOMAR-Biotech am GEOMAR, „wir sind sehr stolz auf den Erfolg des ALLIANCE-Projektes, das den Blue-Biotech-Akteuren im Ostseeraum Unterstützung auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette bietet und so zum ,Blauen Wachstum‘ und der Bioökonomie der Region beiträgt.“

Das ALLIANCE Portfolio an realen Fallbeispielen enthält 22 Organisationen, die von Universitäten/Forschungsinstituten über Start-ups bis zu kleinen und mittelständischen Unternehmen reichen. Sie sind alle vereint durch das Ziel, ein marines, biobasiertes Produkt oder eine Dienstleistung „made in the Baltic Sea Region“ zu entwickeln. Die ALLIANCE erwartet weitere Erfolgsgeschichten wie Furcella OÜ durch ein wachsendes Serviceangebot und Netzwerk. Weitere vielversprechende Fallbeispiele suchen nach „blauen“ Lösungen für biobasierte Medizinprodukte, Nahrungs- und Futtermittel, Nahrungsergänzungsmittel, Farb- und Kraftstoffe oder auch Umweltbeobachtungstechnologie.

Aktuell ist ein weiterer Aufruf zur Einreichung von Ideen gestartet, welcher sich an interessierte Akteure der marinen Biotechnologie wie z.B. start-ups, spin-offs und kleine und mittlere Unternehmen mit einer marinen biobasierten Produktidee richtet. Diese können sich um die Teilnahme am ALLIANCE Mentoring-Programm bewerben. Einreichungsfrist ist der 5. März 2018. Weitere Informationen sind auf der Projektwebseite abrufbar.  


Hintergrundinformationen:
Das für 3 Jahre (2016-2019) durch das INTERREG Ostseeraumprogramm geförderte Projekt, dessen Projektmanagement in enger Abstimmung mit dem SUBMARINER Network for Blue Growth European Economic Interest Grouping erfolgt, bringt ca. 30 namhafte Akteure (Forschungsinstitute, Biotechnologie Hubs und Gewerbeparks, Initiativen/Dienstleister zur Branchenunterstützung) als Partner im Bereich der blauen Biotechnologie zusammen. Die ALLIANCE-Partner betreuen in einem persönlichen Mentoring-Programm reale Fallbeispiele als Kunden und bringen sie gezielt mit relevanten Einrichtungen und Experten aus der Ostseeregion zusammen. Das Projekt wird von der Forschungseinheit Marine Naturstoffchemie/GEOMAR-Biotech koordiniert.



Links:
Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Das GEOMAR Zentrum für Marine Biotechnologie
Das Projekt Baltic Blue Biotechnology Alliance (ALLIANCE)

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Foto rechts:
Terje Atonen