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Vier weitere Jahre Metaorganismus-Forschung in Kiel

26.11.2019

Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert CAU-Sonderforschungsbereich 1182 mit 11 Millionen Euro

Großer Erfolg für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Kieler Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das von der CAU geleitete Verbundforschungsprojekt bis Ende 2023 weiter.

Die Forschenden des SFB 1182 können damit Anfang kommenden Jahres in die zweite Förderphase starten und die Erforschung der Beziehungen von Wirtslebewesen und ihren besiedelnden Mikroorganismen weiter vorantreiben. Die DFG, die ihre Entscheidung gestern bekannt gab, bestätigt damit den Stellenwert des erfolgreichen interdisziplinären Forschungsprojekts und stellt den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die kommenden vier Jahre insgesamt rund 11 Millionen Euro zur Verfügung.

„Im Namen des gesamten Präsidiums der Uni Kiel gratuliere ich allen Beteiligten herzlich zu diesem großartigen Erfolg. Die Zusage der wichtigsten deutschen Forschungsförderungs-Institution macht klar, wie bedeutend die Untersuchung des Zusammenwirkens von Körper und Mikroben für die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze ist“, sagt CAU-Vizepräsidentin für Forschung, Professorin Karin Schwarz.

„Besonders freue ich mich für die zahlreichen engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nun ihre Arbeit an der CAU erfolgreich fortführen können. Damit liefern sie weiterhin ein besonderes Beispiel für Spitzenforschung am Standort Schleswig-Holstein“, so Schwarz weiter.

 

Erfolgreiches Forschungsnetzwerk

Der 2016 an der CAU gegründete SFB 1182 bringt rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs überwiegend norddeutschen Institutionen in insgesamt 15 interdisziplinären Forschungsprojekten zusammen. Die Forschenden aus den Instituten für Zoologie, Klinische Molekularbiologie, Allgemeine Mikrobiologie, Experimentelle Medizin und Botanik an der Kieler Uni arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik und der Muthesius Kunsthochschule zusammen. Gemeinsam wollen sie Stück für Stück die funktionellen Konsequenzen des Zusammenwirkens von Wirtsorganismen und Mikrobengemeinschaften verstehen.

„In der erfolgreichen ersten Förderperiode konnten wir anhand einer Reihe von Modellorganismen ein breites Verständnis der Zusammenarbeit von Wirtslebewesen und Mikroorganismen gewinnen und die daran beteiligten Akteure identifizieren“, erklärt Professor Thomas Bosch, Sprecher des SFB 1182. „Nun wollen wir den nächsten Schritt gehen und die den symbiotischen Interaktionen zugrundeliegenden molekularen und evolutionären Mechanismen nachvollziehen und verstehen“, skizziert Bosch das Forschungsprogramm für die nächsten Jahre.


Grundlegende Prinzipien zur Anwendung bringen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB 1182 konnten die DFG mit ihrem sehr interdisziplinär ausgerichteten Forschungskonzept überzeugen. Den letzten Ausschlag gab eine hervorragende vor Ort-Begutachtung im vergangenen Sommer, in der die Forschenden gemeinsam mit ihren Partnerinstitutionen bisherige Erfolge und künftige Ziele präsentierten.

Neben den exzellenten wissenschaftlichen Ergebnissen der ersten Phase, die in rund 80 hochrangigen Publikationen veröffentlicht wurden, konnte der SFB 1182 auch in wichtigen Querschnittsthemen überzeugen. Insbesondere die intensive Nachwuchsförderung mit zwei eigenständigen Förderprogrammen und ein maßgeschneidertes Mentoring-Programm insbesondere für Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Karrierestufen wurden besonders positiv bewertet.

Auch in der Darstellung seiner Forschungsarbeiten in der Öffentlichkeit anhand innovativer Formate schnitt der SFB 1182 überdurchschnittlich ab. Insgesamt ist nun auch eine dritte Förderphase und damit die maximal mögliche, zwölfjährige Unterstützung durch die DFG erreichbar.

In der Anfang 2020 beginnenden zweiten Phase werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB 1182 nun für alle Lebewesen universell gültige Prinzipien der Wirts-Mikroben-Beziehungen definieren und so ihrem übergeordneten Ziel näherkommen: Aus der Erforschung des Metaorganismus, also der funktionellen Einheit aus Wirtsorganismus und besiedelnden Mikroorganismen, wollen sie künftig Therapieansätze für zahlreiche zivilisatorisch bedingte Krankheitsbilder ableiten, die auf einer Störung der symbiotischen Bakteriengemeinschaft des Körpers beruhen.

„Nur wer die Mechanismen und Funktionen der multiorganismischen Beziehungen von Wirt und Mikroben von Grund auf verstanden hat, kann möglicherweise Wege finden, in das Mikrobiom als Krankheitsursache einzugreifen, es zu verändern und damit bislang unverstandene Krankheiten künftig zu behandeln“, blickt Bosch, der den SFB weiterhin leiten wird, voraus.


Über den SFB 1182:

Der Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ ist ein interdisziplinäres Netzwerk unter Beteiligung von rund 80 Forschenden, das die Interaktionen spezifischer Mikrobengemeinschaften mit vielzelligen Wirtslebewesen untersucht. Es wird von der Deutschen Forschungsgmeinschaft (DFG) unterstützt und beschäftigt sich mit der Frage, wie Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen gemeinsam mit hoch spezifischen Gemeinschaften von Mikroben funktionale Einheiten (Metaorganismen) bilden.

Ziel des SFB 1182 ist es, zu verstehen, warum und wie mikrobielle Gemeinschaften diese langfristigen Verbindungen mit ihren Wirtsorganismen eingehen und welche funktionellen Konsequenzen diese Wechselwirkungen haben. Im SFB 1182 sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Fakultäten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik und der Muthesius Kunsthochschule zusammengeschlossen.

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Foto rechts: Christian Urban / Uni Kiel