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Menschen gleichberechtigt begegnen

29.05.2019

Diversity-Tage an der Uni Kiel mit vielfältigem Programm

Vom 27. bis 29. Mai fanden an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die diesjährigen Diversity-Tage statt. Zum ersten Mal waren die Aktionen an der Uni im Rahmen des bundesweiten Diversity-Tags am 28. Mai auf drei Tage verteilt.

Auf dem Programm standen unter anderem Workshops zu diversitätssensibler Hochschullehre, eine Einführung zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, Vorträge über Gewalt gegen Obdachlose und über das Leben mit Autismus sowie Diskussionsformate zum Beispiel über Geflüchtete an der Uni Kiel.

„Wir wollen Aufmerksamkeit schaffen und sensibilisieren für die Wahrnehmung, Wertschätzung und Förderung von Vielfalt und den Abbau noch vorhandener Barrieren an der Hochschule“, sagt Eddi Steinfeldt-Mehrtens, Beauftragte_r für Diversität an der CAU und Verantwortliche_r für die Organisation der Diversitätstage. Das umfangreiche Programm wurde auch von Menschen außerhalb der CAU genutzt, um sich fortzubilden.

„Das Interesse an den Diversity-Tagen war sehr groß, sowohl von den Uni-Angehörigen, die etwas beitragen oder unterstützen wollten, als auch von den Teilnehmer*innen“, sagt Steinfeldt-Mehrtens. Für den beliebtesten Workshop „Sensibilisierungsschulung und Schnupperkurs der Deutschen Gebärdensprache“ gab es sogar eine lange Warteliste. Ganz besonders sei die Podiumsdiskussion am Montag „trans*, inter*, non-binary an der Hochschule“ gewesen, sagt Steinfeldt-Mehrtens. „Häufig wird bei Diskussionsveranstaltungen zu diesem Thema über diese Menschen gesprochen. Wir haben uns deswegen bewusst dazu entschieden, Betroffene selbst zu Wort kommen zu lassen.“

Auch zu weiteren Themen gab es viele persönliche Erfahrungsberichte, wie etwa im Vortrag mit anschließender Diskussion „Autismus – ein autobiographischer Alltagsbericht“. Der 27-jährige Julian Leske hat das Asperger-Syndrom, die leichtere Form des Autismus-Spektrums. In seinem Vortrag erzählte er über sein Leben, über Herausforderungen, über den Alltag, die Ausbildung, Beziehungen und Freundschaften.

„Um erfolgreich studieren und ergebnisorientiert arbeiten zu können, ist ein Umfeld ohne Benachteiligung und Barrieren eine wesentliche Voraussetzung“, sagte Professorin Anja Pistor-Hatam, Vizepräsidentin für Diversität. Im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „Yallah!? Über die Balkanroute“ lud sie alle Interessierten herzlich zu den zahlreichen Programmpunkten der Diversitätstage und zur Besichtigung der Ausstellung ein.

Im Mittelpunkt der von Menschen mit Fluchterfahrung und Studierenden der Georg-August-Universität in Göttingen konzipierten Ausstellung stehen die Perspektiven von Geflüchteten. Mit Kunstwerken, Gedichten, Audio-, Foto- und Videoaufnahmen zeigen sie ihre Erfahrungen aus den Jahren 2015 bis 2017 – von der Grenzschließung bis zum Leben in riesigen Lagern – und ihre Sichtweisen auf Migration und Europa. Die zahlreichen Gespräche und Interviews wurden in Nordgriechenland, Serbien und Deutschland aufgenommen.

„Wir haben die Wanderausstellung an die Uni Kiel geholt, um wieder mehr Menschlichkeit in die Debatte rund um das Thema Flucht zu bringen“, sagt Lena Stöcker vom Verein kulturgrenzenlos. „Während 2015 die geöffneten Grenzen die Stimmung elektrisiert haben, ist die heutige Debatte zum Thema Flucht immer häufiger dominiert von Diskussionen über Grenzsicherung, Terror und rassistischen Perspektiven.“ Ziel des Vereins sei es, sich die Ereignisse des „langen Sommers der Migration“ noch einmal vor Augen zu führen, sich für die Inklusion von Geflüchteten und das gesellschaftliche Miteinander an der CAU sowie für ein weltoffenes Kiel einzusetzen. Die bundesweite Wanderausstellung ist noch bis zum 8. Juni im Foyer im Audimax der Kieler Uni zu sehen.

Neben Podiumsdiskussion, Ausstellung und Vorträgen gab es auch Workshops, in denen Interessierte selbst Neues erleben und ausprobieren konnten. Mit der Aktion „Wege der Verhaltensänderung: Simulation von Behinderung“ sollten die Teilnehmer*innen eine andere Art der Wahrnehmung, der Bewegung und auch von Barrieren erfahren. Organisiert wurde die Veranstaltung von Niels Luithardt, Inklusionsbeauftragter des AStA, und Professor Manfred Wegner, Direktor am Institut für Sport und Sportwissenschaft der CAU sowie Diversitätsbeauftragter der Philosophischen Fakultät. Sie schickten die Freiwilligen mit Augenbinde und Blindenstock oder im Rollstuhl zu unterschiedlichen Orten auf dem Campus. „Man begegnet Menschen mit Behinderung ganz anders, wenn man das einmal selbst erlebt hat“, betonte Luithardt.

Durch die Simulation von Behinderung werde einem plötzlich bewusst, betont Wegner, wie schwierig alltägliche Dinge sein können, etwa mit dem Bus zu fahren oder mit dem Rollstuhl eine Bordsteinkante zu überwinden. Eine Teilnehmerin erzählte über ihre Erfahrung, „blind“ ums Audimax zu laufen: „Obwohl ich den Campus kenne, hätte ich genauso gut in einer völlig fremden Stadt stehen können. Man verliert sofort die Orientierung.“ Die Teilnehmer*innen wurden von Betroffenen begleitet, die Hilfestellung und Tipps gegeben haben: Niels Luithardt ist selbst sehbehindert, Katharina Asmussen hat an der Uni Kiel Englisch und Dänisch auf Lehramt studiert und ist Rollstuhlfahrerin. Wenn man im Rollstuhl unterwegs ist, sei tatsächlich mehr Planung im Alltag wichtig, fiel der Studentin Linda Zilke auf, denn oft müsse man längere Wege zurücklegen, um geeignete Rampen und Fahrstühle zu finden.

Auch wenn es noch viel zu tun gibt, ist die Uni Kiel im Bereich Diversität schon gut aufgestellt“, sagt Steinfeldt-Mehrtens. Beispielsweise hat die CAU die Charta der Vielfalt unterzeichnet und 2015 einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet. „Diesen Plan haben wir partizipativ gestaltet. Aus allen Statusgruppen waren Menschen mit und ohne Behinderung an der Erstellung beteiligt“, erklärt Steinfeldt-Mehrtens. Im Februar dieses Jahres ist die Uni zertifiziert worden im Auditierungsverfahren „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. „Die Diversity-Tagen zeigen einmal mehr die Wichtigkeit des Themas für die Kieler Uni“, sagt Eddi Steinfeldt-Mehrtens.


Weitere Informationen:
- Diversität an der CAU: www.diversitaet.uni-kiel.de
- Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an der CAU Kiel: www.gendiv.uni-kiel.de/de/forschung/aktionsplan-un-brk
 - Auditierungsverfahren „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft: www.diversitaet.uni-kiel.de/de/projekte/auditierungsverfahren-vielfalt-gestalten-des-stifterverbandes-fuer-die-deutsche-wissenschaft
- yallah!? Über die Balkanroute: http://yallah-balkanroute.uni-goettingen.de

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske