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„Mehr als ein hübsches Gesicht“

17.04.2019

Vortrag von Dr. Paul Smith zur gesellschaftlichen Bedeutung Botanischer Gärten

„Botanische Gärten sind unsere Zukunft und ich hoffe, dass sie eines Tages dafür wertgeschätzt werden. Die Möglichkeiten und das Wissen, das sie bereitstellen, sind wesentlich für die Zukunft der Menschheit“, sagte Dr. Paul Smith am Montag, 15. April, bei einem Vortrag an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).

Seinen Vortrag „Botanic Gardens, more than a pretty face?“ hielt er im Rahmen des umfangreichen Programms zum 350. Gründungsjubiläum des Botanischen Gartens Kiel, das in diesem Jahr stattfindet. Dr. Paul Smith ist Generalsekretär des global tätigen Botanic Gardens Conservation International (BGCI). Es ist das weltweit größte Netzwerk für den Arterhalt von Pflanzen. Zuvor arbeitete Smith mehr als 15 Jahre für die Royal Botanic Gardens in Kew (London), die zu den ältesten botanischen Gärten der Welt gehören, und leitete dort das Millennium Seed Bank Project (MSBP), das Samen bedrohter Wildpflanzen aus aller Welt unter kontrollierten Bedingungen für die Zukunft einlagert.

In seinem Vortrag beschäftigte Smith sich mit der Frage, welche vielfältigen Zwecke Botanische Gärten heute erfüllen. Botanische Gärten werden aus vielerlei Gründen angelegt, führte Smith aus: als Attraktion für Gäste, um Wissen zu vermitteln, zur Forschung und für den Schutz der Natur. Sie haben aber auch erhebliche wirtschaftliche, soziale und ökologische Vorteile. Zum Beispiel ziehen Botanische Gärten viele Touristen an, von denen ebenfalls das Hotel- und Gastgewerbe profitiert. Für die Nachbarschaft erhöhen sie den ästhetischen und Erholungswert. Viele Umfragen würden zudem zeigen, dass ein Besuch im Botanischen Garten positive Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit hat, so der Experte. Auch auf die Umwelt selbst haben Botanische Gärten positive Auswirkungen. Sie sensibilisieren die Besucherinnen und Besucher für die Natur und deren Schutz. Außerdem bewahren sie lebende, bedrohte oder sogar in der Wildnis ausgestorbene Pflanzen. Mindestens 35 in der Natur ausgestorbenen Pflanzenarten bieten sie ein neues Zuhause. „Jede Pflanzenart, die wir konservieren, schafft neue Möglichkeiten“, berichtete Smith. Es wird geschätzt, dass in der Fachwelt der Botanischen Gärten etwa 60.000 Gärtnerinnen und Gärtner sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tätig sind, die Pflanzen kultivieren und studieren. Sie untersuchen auch ihre Anpassungsfähigkeit und können beispielsweise vom Klimawandel betroffene Pflanzen widerstandfähiger machen. „Die Diversität, die Botanische Gärten in einer vom Menschen und durch den Klimawandel veränderten Landschaft bewahren, ist unser großer Erfolg.“

„Botanische Gärten stellen ihr Licht gern unter den Scheffel“, sagte Smith. Daher hätten sie Probleme, Menschen zu Karrieren in Botanischen Gärten zu bewegen. „Eltern wollen, dass ihre Kinder Rechtsanwälte oder Ärzte werden, aber nicht Gärtner. Botanische Gärten müssen den Wert ihrer Sammlungen, der Wissenschaft und des Gartenbaus deutlicher zeigen, wenn sie die mit diesen Aktivitäten verbundenen Ausgaben rechtfertigen wollen.“

Im Mai wird Paul Smith im Vatikan über Botanische Gärten sprechen, da Papst Franziskus sich besonders für Umwelt- und Klimaschutz und gegen das Artensterben einsetzt. Seinen Vortrag beendete Smith daher mit einer biblischen Allegorie: „Der Garten Eden ist vielleicht der Ort, aus dem wir kommen, aber er sollte genauso unser Ziel sein. Und mit den Samenbanken und Aktivitäten Botanischer Gärten sowie dem Wissen und den Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen wir vielleicht eines Tages ein ökologisches Gleichgewicht und können eine Art Garten Eden schaffen.“
 
Die nächste Veranstaltung im Rahmen des 350. Jubiläums des Botanischen Gartens Kiel findet am 5. Mai statt: „Botanische Lehrwanderung. Gebirgsvegetation“ mit Prof. Joachim Schrautzer vom Institut für Ökosystemforschung der CAU.

Alle Termine unter: http://www.uni-kiel.de/de/jubilaeum-bot-garten