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IfW-Konjunkturprognose: Deutsche Konjunktur im Sinkflug

13.06.2019

Die deutsche Konjunktur kühlt sich deutlich ab, und die globale politische Unsicherheit setzt der deutschen Wirtschaft zu.

Die Konjunkturforscher des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) revidieren in ihrer aktuellen Konjunkturprognose den Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für 2019 auf 0,6 Prozent (bislang 1,0 Prozent) und für 2020 auf 1,6 Prozent (bislang 1,8 Prozent). Die Arbeitslosigkeit dürfte kaum noch weiter sinken, die Überschüsse der öffentlichen Haushalte bis auf 33 Mrd. Euro zurückgehen. IfW-Präsident Felbermayr fordert eine Unternehmenssteuerreform und eine Abschaffung des Solidaritätszuschlages.

Die Grundtendenz der Konjunktur hat sich deutlich abgeschwächt. Der Anstieg des BIP im ersten Quartal 2019 um 0,4 Prozent war vor allem Sonderfaktoren geschuldet wie Aufholeffekten in der Automobilindustrie nach Problemen mit dem neuen Prüfverfahren WLTP.

Für das zweite Quartal 2019 zeichnet sich sogar ein leichter Rückgang des BIP ab. Anschließend dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion zwar wieder zulegen, allerdings nur in moderatem Tempo. Insgesamt nimmt die gesamtwirtschaftliche Auslastung ab. Die vergleichsweise hohe Zuwachsrate für das kommende Jahr geht zu 0,4 Prozentpunkten auf eine hohe Anzahl an Werktagen zurück.

„An der globalen politischen Unsicherheit, die die Unternehmen hierzulande belastet, kann die deutsche Politik wenig ändern. An der Standortqualität hingegen schon. Es sollte daher jetzt darum gehen, die deutsche Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen, etwa durch eine Reform der Unternehmenssteuern und die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlages“ sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr.

Insgesamt ist das Konjunkturbild uneinheitlich. Während die industrielle Auslastung deutlich nachgibt – die Produktion in den Industriebereichen dürfte im laufenden Quartal das vierte Mal in Folge schrumpfen – und der Dienstleistungssektor nur moderat zulegt, dauert der Bauboom an. Mit Zuwachsraten von 4,4 Prozent (2019) und 3,1 Prozent (2020) überragen die Bauinvestitionen alle übrigen inländischen Wirtschaftsaktivitäten. Die Baupreise dürften jeweils um etwa 5 Prozent steigen.

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske