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IfW - Kommentar: Tiefpunkt überwunden, Krise noch nicht

Prof. Dr. Stefan Kooths, Konjunkturchef des IfW Kiel, kommentiert die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal:

„Das Corona-Virus hat die deutsche Wirtschaft in den freien Fall geschickt. Ein Einbruch um 10,1 Prozent im zweiten Quartal markiert den heftigsten Absturz der Wirtschaftsleistung, den die Bundesrepublik je erlebt hat. Die gute Nachricht: Der Tiefpunkt der Krise liegt hinter uns, es geht seit Mai wieder aufwärts.

Die schlechte Nachricht: Die Krise ist längst nicht ausgestanden, und die Folgen wird Deutschland noch lange spüren. Auch wenn das BIP im laufenden dritten Quartal kräftig um knapp 7 Prozent steigen dürfte, wird das Vorkrisenniveau der Wirtschaftsleistung erst Ende nächsten Jahres erreicht. Der krisenbedingte Ausfall an Wirtschaftsleistung in den Jahren 2020 und 2021 dürfte sich auf fast 400 Milliarden Euro summieren.

Gebremst wird die Erholung der deutschen Wirtschaft neben schwachen Investitionen derzeit vor allem durch das schlechte Exportgeschäft. Der Konsum leidet vor allem unter Corona-bezogenen Vorsichtsmaßnahmen, nicht unter einem Mangel an Kaufkraft. So halten die Menschen vor allem aufgrund fehlender Kaufmöglichkeiten dieses Jahr rund 130 Milliarden Euro an Kaufkraft zurück. Auch gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Infektionszahlen in Deutschland wieder ansteigen. Damit bleibt auch die wirtschaftliche Unsicherheit hoch –, und das ist Gift für die Konjunktur.

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung setzt die falschen Schwerpunkte. Fehlende Masseneinkommen sind nicht der Grund für Konsumzurückhaltung. Es muss vielmehr darum gehen, die Substanz der grundsätzlich wettbewerbsfähigen Unternehmen zu erhalten. Sachgerechter als kaufkraftstärkende Maßnahmen zugunsten des Konsums wären vor allem Eigenkapitalhilfen für Unternehmen in Form von Zuschüssen. Dies würde die wirtschaftliche Unsicherheit aller Marktakteure mildern und so auch Arbeitsplätze wirksamer schützen.

Die politische Reaktion auf eine zweite Infektionswelle dürfte allerdings weniger heftig ausfallen als noch im März. Wir haben mehr gelernt, Testkapazitäten aufgebaut, ausreichend Masken zur Verfügung und mittlerweile auch eine Warn-App. Ein erneuter Anstieg der Infektionszahlen könnte daher mit gezielteren Vorsichtsmaßnahmen eingehegt werden, so dass nicht erneut ein so großer Teil der Wirtschaft voll aufs Bremspedal treten muss. Ein Einbruch des BIP wie heute verkündet dürfte sich daher nicht so schnell wiederholen."

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske