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Gesunde Pflanzen sind die Grundlage für nachhaltige Landwirtschaft

23.07.2019

Auftaktkonferenz des neu gegründeten Pflanzenforschungszentrums „Kiel Plant Center“ an der CAU

Am gestrigen Montag, 22. Juli, startete die internationale Tagung „Pflanzengesundheit und Umweltinteraktionen“ (Englisch: „Plant Health and Environment Interactions“) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen an dem Symposium im Zoologischen Museum Kiel sowie im Botanischen Garten der CAU teil. Es bildet die Auftaktveranstaltung für das neue kooperative CAU-Forschungszentrum „Kiel Plant Center“ (KPC), das die zahlreichen Aktivitäten in der Pflanzenforschung an der Kieler Universität und ihren Partnerinstitutionen fördern und vernetzen will. An zwei Konferenztagen tauschen sich die Forschenden aus der Botanik und verwandten Disziplinen zum Beispiel über die pflanzliche Immunabwehr gegen Krankheitserreger, die nachhaltige Regulierung bedeutender Schädlinge im Obstanbau oder die besondere Bedeutung der Seegräser für gesunde Küstenökosysteme aus. Insgesamt berichten sie im Laufe des Symposiums in rund 20 Vorträgen über den Stand ihrer aktuellen Forschungen aus dem Feld der Pflanzengesundheit.
 
Aktuelle Herausforderungen für die Pflanzenforschung
 
Die Themen der internationalen Tagung an der CAU sind heute aktueller denn je: Pflanzen sind eine unverzichtbare Grundlage funktionierender Ökosysteme, der globalen biogeochemischen Stoffkreisläufe und damit nicht zuletzt der weltweiten Nahrungsversorgung. Ihre Gesundheit rückt im Angesicht des Klimawandels, des weltweiten Bevölkerungswachstums und des rasanten Verlusts an Biodiversität immer stärker in den Fokus. Vor diesem Hintergrund startet die neue Kieler Forschungsinitiative, die sich mit den verschiedenen Einflüssen auf die Pflanzengesundheit und den damit verbundenen Anforderungen an die Grundlagenforschung auseinandersetzen wird. „Um daraus in Zukunft Lösungsansätze ableiten zu können, sind wir insbesondere auf eine starke interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Translation der Grundlagenforschung in die Anwendung angewiesen“, betont KPC-Sprecherin Professorin Eva Stukenbrock. „Unser neues Forschungszentrum schafft die notwendigen Strukturen an der Uni Kiel, um in kooperativen Forschungsprojekten diese dringend benötigten Antworten für die Erhaltung der Pflanzengesundheit zu finden“, so Stukenbrock weiter.
 
Ernährungssicherheit für eine Welt im Wandel
 
Eine konkrete Herausforderung, der sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Kieler Pflanzenzentrums stellen wollen, ist ein zeitgemäßer Pflanzenschutz. So werden etwa Schädlinge immer schneller unempfindlich gegen Pflanzenschutzmittel, so dass der sogenannten Resistenzzüchtung eine steigende Bedeutung zukommt. Außerdem wird der Einsatz von Pestiziden in der Öffentlichkeit kritisch hinterfragt. Gleichzeitig muss die globale Nahrungsmittelproduktion angesichts des rasanten Wachstums der Weltbevölkerung weiter gesteigert werden. Dem wollen die KPC-Forschenden zum Beispiel durch die Entwicklung nachhaltiger Strategien begegnen, die sich bei der Bekämpfung von Pflanzenschädlingen die Mechanismen der natürlichen Selektion zunutze machen und damit helfen, den Pestizideinsatz zu reduzieren.
 
„Zahlreiche Pflanzenschädlinge und -krankheiten werden zudem durch den Klimawandel begünstigt und treten dadurch gehäuft auf“, betont Christian Jung, Professor für Pflanzenzüchtung. „Durch ansteigende Temperaturen oder höhere Feuchtigkeit können unter Umständen die Bedingungen für die massenhafte Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen verändert werden“, so Jung weiter. Auch auf diesen Gebieten wolle man künftig Lösungen finden, etwa durch die Züchtung bestimmter Nutzpflanzen, die eine größere Stresstoleranz aufweisen.
 
Insgesamt beruhen diese im KPC verfolgten Lösungsansätze zunehmend auf einer engen transdisziplinären Vernetzung der Forschungsgebiete. Um den dafür nötigen regelmäßigen wissenschaftlichen Austausch auch über die Grenzen des Standorts hinaus zu ermöglichen, organisieren die Kieler Forschenden künftig jährlich internationale Konferenzen wie das aktuelle Symposium zur Pflanzengesundheit als wesentliche Bestandteile des neuen Netzwerks. Das Organisationsteam des KPC plant außerdem, in öffentlichen Veranstaltungen in den Dialog mit der Gesellschaft zu treten und dort auf die fundamentale Bedeutung der Pflanzenforschung hinzuweisen.
 
Über das Kiel Plant Center (KPC):
Das neugegründete Forschungszentrum zielt darauf ab, die Vielfalt der Pflanzenforschung an der Universität Kiel und ihren Partnerinstitutionen zu fördern. Unter dem Dach des universitären Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) bietet es eine Plattform zum interdisziplinären Austausch und schafft den Rahmen zur Entwicklung neuer Forschungsinitiativen. Die Kieler Pflanzenwissenschaften umfassen Forschungsgruppen aus zahlreichen Fakultäten und Instituten, die sich mit einem breiten Spektrum von Forschungsfragen von der molekularen Pflanzenbiologie, der Pflanzenökologie, der Biotechnologie bis hin zur Pflanzenzüchtung befassen. Der gemeinsame Fokus der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler liegt dabei insbesondere auf der Pflanzengesundheit und den Interaktionen von Pflanzen mit ihrer Umwelt.

 
Weitere Informationen:
KPC-Summer Symposium 2019
„Plant Health and Environment Interactions“, 22./23. Juli 2019:
www.plant-center.uni-kiel.de/en/outreach

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Foto rechts: Christian Urban / Uni Kiel