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Gefährliche Eskalation des US-chinesischen Konflikts

06.08.2019

Statement zu den jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt und den Reaktionen der US-Regierung

Dr. Klaus-Jürgen Gern, Experte für globale Wirtschaftsentwicklungen, Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel):

„Die aktuelle Yuan-Abwertung und die Bezeichnung von China als ‚Währungsmanipulator‘ durch die US-Regierung sind eine gefährliche Eskalation des US-chinesischen Handelskonflikts. Diese Schritte deuten darauf hin, dass erst einmal keine der beiden Seiten bereit ist, klein beizugeben. Es ist vielmehr damit zu rechnen, dass die Spannungen anhalten und sich möglicherweise noch verschärfen.

Gleichzeitig mit dem Schritt, eine Abwertung des Renmimbi gegenüber dem Dollar über die Schwelle von 7 RMB/$ zuzulassen, hat die chinesische Regierung offenbar den Import von US-Agrarprodukten gestoppt, was die US-Landwirte empfindlich treffen würde, wenn es Bestand hätte.

Zumindest was den Einsatz von Zöllen im Handelskrieg angeht, sitzen die USA am längeren Hebel. Die US-Regierung dürfte weitere Zollanhebungen in Betracht ziehen, um die chinesische Wirtschaft zu schwächen. Allerdings wäre diese Politik mit immer größeren Kosten auch für die US-Wirtschaft verbunden.

Die Preise für Waren aus China für US-Konsumenten und Unternehmen steigen, ebenso die Kosten für Unternehmen, die chinesische Importe als Vorprodukte benutzen oder die Endfertigung nach China ausgelagert haben. Auch die chinesische Regierung riskiert, die heimische Wirtschaft zu belasten, sollte der Stopp von US-Agrareinfuhren nicht vollständig durch andere Importe vom Weltmarkt ausgeglichen werden können und es in China in der Folge zu Angebotsengpässen und Preisanstiegen bei Nahrungsmitteln und Futtermitteln kommt.

Die Unsicherheit über den Fortgang des Konflikts belastet die weltweiten Konjunkturaussichten und damit auch die internationalen Börsen. Die ohnehin bereits geschwächte deutsche Konjunktur wird zusätzlich gedämpft. Die gedrückte Stimmung in der Industrie beginnt inzwischen auf andere Wirtschaftsbereiche auszustrahlen und zeigt auch schon erste Spuren am Arbeitsmarkt. Demgegenüber sind positive Wirkungen nachrangig, die sich insbesondere für Konsumenten als Folge sinkender Importpreise chinesischer Güter ergeben könnten.“

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske