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Forschungsorientierte Lehre in internationaler Perspektive

Kieler Theologiestudierende auf virtueller Exkursion zum weltweit größten bibelwissenschaftlichen Fachkongress

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die meisten der diesjährigen internationalen Fachkongresse entweder abgesagt oder in den virtuellen Raum verlegt werden. Dies betraf auch das Annual Meeting der Society of Biblical Literature (SBL), den weltweit größten bibelwissenschaftlichen Fachkongress, zu dem sich sonst alljährlich im November mehrere Tausend Forscherinnen und Forscher aus aller Welt in einer US-amerikanischen Großstadt zusammenfinden.

In diesem Jahr wurde das Meeting erstmals als reiner Online-Kongress abgehalten, was gerade für Studierende neue Möglichkeiten der Partizipation eröffnete. Für die Theologische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), der es ein besonderes Anliegen ist, ihr Angebot forschungsorientierter Lehre in internationaler Perspektive auszubauen, bot sich so die Gelegenheit, eine virtuelle Exkursion zum Annual Meeting der SBL als innovatives Lehrkonzept zu erproben.

Unter Leitung von Professor Dr. Christoph Berner besuchte eine Gruppe von Kieler Theologiestudierenden mit Gästen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Hamburg den zweiwöchigen Online-Kongress vom 30. November bis 10. Dezember 2020. Die Studierenden konnten Schwerpunkte nach eigenen fachlichen Interessen setzen und nahmen an Vortrags-Sessions, Podiumsdiskussionen sowie Buchpräsentationen zu den Kernbereichen Alter Orient, Altes Testament, Neues Testament und Religionswissenschaften teil. Jeden Abend wurden die Eindrücke und Erfahrungen im Plenum der Exkursionsgruppe zusammengetragen, ausgewertet und gebündelt.

"Die Teilnahme war einer der einprägsamsten Momente meines bisherigen Studiums und eine Erfahrung, auf die ich nicht mehr verzichten möchte." (CAU-Student Christian Frentz)

Durch die virtuelle Exkursion konnten die Studierenden nicht nur ihre bisherigen exegetischen und theologischen Fachkenntnisse vertiefen und erweitern, sondern bekamen vor allem Einblick in andere Forschungskulturen, akademische Diskurse und Vortragstechniken.

„Die Teilnahme war einer der einprägsamsten Momente meines bisherigen Studiums und eine Erfahrung, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Der bunte Strauß an Vortragsarten, Medieneinsätzen und einer internationalen Forschungskultur hat meine Augen für das Lebendige der Wissenschaft geöffnet. Die Selbstverständlichkeit der mir bekannten Exegese wurde über Bord geworfen und steht nun im Kontext anderer Zugänge. Als besonders wertvoll empfand ich die Nachbesprechungen, in denen wir über das Gehörte und Gesehene redeten“, erklärt Student Christian Frentz.

Die kritische Reflexion dieser Erfahrungen durch die Studierenden eröffnete auch neue Perspektiven auf die theologische Ausbildung an der CAU, auf ihre internationalen Vernetzungen und Entwicklungspotenziale.

„Grundsätzlich ist es überwältigend viel zu verarbeiten, wenn man in diesen Kosmos von Wissenschaftler*innen eintaucht und man selbst nicht primär Teil davon ist. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass wir als Studierende beim wissenschaftlichen Standard der Vorträge durchaus ‚mitsprechen‘ konnten. Zu beobachten war vor allem in der nordamerikanischen Wissenschaft eine Verschiebung des Schwerpunkts weg von historisch begründeter Exegese hin zu alternativen Zugängen zu den biblischen Texten. Feministische Fragestellungen haben sich quer durch die meisten Panels gezogen. Das zeigt eine hohe Sensibilität für das Thema zumindest im wissenschaftlichen Kontext. Ich hatte außerdem den Eindruck, dass in der Auswahl der Vortragenden sehr auf Diversität geachtet wurde“, ergänzt Student Julius Albrecht.


Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske