Detailansicht

Logo: wissenschafftzukunft kiel
Logo: Landeshauptstadt Kiel
DetailansichtDetailansicht
Logo: wissenschafftzukunft kiel

San Francisco Bay Area: Inspiration für Lehre und Transfer an der CAU

05.09.2018

Über 70 Vertreterinnen und Vertreter aus der schleswig-holsteinischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft besuchten vom 25. bis 31. August die Bay Area in Kalifornien.

Darunter waren auch die für den Wissenstransfer verantwortliche Vizepräsidentin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) Professorin Karin Schwarz, die Professorin für Integrierte Systeme und Photonik an der CAU Martina Gerken und Dr. Anke Rasmus, Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship an der Kieler Universität. Während der fünftägigen Reise standen Besuche bei international tätigen Unternehmen, innovativen Startups und renommierten Hochschulen sowie Gespräche mit lokalen Initiativen und kommunalen Einrichtungen auf dem Programm.
 
Neues Verbindungsbüro eröffnet
Politischer Höhepunkt der Reise war die Eröffnung des Northern Germany Innovation Office (NGIO) in San Francisco. Das Verbindungsbüro, das vom Land und der Wirtschaftsförderung Schleswig-Holstein (WTSH), der Freien und Hansestadt Hamburg, der Landeshauptstadt Kiel und schleswig-holsteinischen Unternehmen getragen wird, soll zukünftig Dreh- und Angelpunkt für Kontakte in die Bay Area sein. Geleitet wird es von Tim-Ole Jöhnk, einem Schleswig-Holsteiner, der schon länger im Silicon Valley arbeitet und dort über gute Kontakte verfügt.
 
Zusammenarbeit bei digitaler Lehre und beim Transfer geplant
Mit Blick auf Themen wie digitale Lehre und Transfer sammelten die CAU-Vertreterinnen vor Ort Informationen über mögliche Austausch- und Besuchsprogramme für Studierende und Forschende. „Grundlage für den erfolgreichen Austausch mit amerikanischen Universitäten in der Bay Area sind gute persönliche Beziehungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“, weiß Martina Gerken, die an der Stanford University promoviert wurde. Nicht ohne Grund ziehe die Eliteuniversität Studierende und Forschende aus der ganzen Welt an. „Mit Berkeley gilt sie als Innovationsmotor der Bay Area“, ergänzt Karin Schwarz. Entscheidend dafür sei vor allem das enge Verhältnis der Absolventinnen und Absolventen zu ihrer Uni. Dazu Schwarz: „Sie kommen nach Stanford zurück, auch wenn sie schon lange ihren akademischen Abschluss in der Tasche haben, um sich an diesem inspirierenden Ort mit Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern über angesagte Themen auszutauschen. Das ist gelebter Wissenstransfer.“
 
Digitale Formate ergänzen Präsenzveranstaltungen
So arbeiten Hochschulen, Unternehmen und Konzerne in der Bay Area beispielsweise intensiv bei der Gestaltung digitaler Lehr- und Lernformate zusammen. An der Stanford University, der Holberton School und bei Ruckus, einem IT-Unternehmen, erhielten Schwarz, Gerken und Rasmus Einblicke in die gemeinsame Entwicklung derartiger digitaler Lehrmethoden. Für David A. B. Miller, Professor für Elektrotechnik an der Stanford University, brauche es in einem innovativen Umfeld wie dem Silicon Valley unbedingt solch neue Instrumente. Für ihn sind MOOCs (Massive Open Online Courses), die durch Präsenzveranstaltungen ergänzt werden, ein geeignetes Mittel, mit dem Studierende Fachwissen in ihrer eigenen Geschwindigkeit aufnehmen können. Gleichzeitig werde das Wissen auch außerhalb der Elitehochschule zugänglich gemacht.
 
Überrascht zeigte sich CAU-Vizepräsidentin Schwarz von dem Konzept der Holberton School, in einem rein projektbasierten und softwaregesteuerten Ansatz ohne Anleitung durch Lehrkräfte auszubilden. Dazu Schwarz: „Programmieren ist hier mittlerweile zu einer Kernkompetenz erfolgreicher Absolventinnen und Absolventen geworden. Ich gehe davon aus, dass entsprechende Lehrveranstaltungen zukünftig auch von Studierenden an der CAU stärker nachgefragt werden. In einigen Fächern bereiten wir uns bereits darauf vor. So haben wir Professuren eingerichtet, die Informatik bezogen auf eine Fachdisziplin vertreten.“
 
Gründungen: Professorinnen und Professoren als Vorbilder
Auch der Kieler Lars Thorben Neustock promoviert derzeit in Stanford. Gemeinsam mit Johanna Ehlers stellte er den Kieler Gästen den Stanford Campus vor. Zurzeit organisiert Neustock mit einigen seiner Mitstudierenden die deutsch-amerikanische Konferenz „Transatlantic Sync“. Das Motto der Tagung lautet „building a new transatlantic bridge resting on technology cooperation“. Die Konferenz im Mai 2019 in Stanford will auf der Grundlage technologischer Zusammenarbeit die transatlantische Zusammenarbeit befördern. Für Neustock sind die Universitäten der wesentliche Faktor dafür, dass gerade das Silicon Valley viele Gründerinnen und Gründer anzieht und hervorbringt: „In Stanford werden reichlich Entrepreneurship-Kurse angeboten. Ganz viele Professorinnen und Professoren haben hier selbst erfolgreich gegründet. Das funktioniert deshalb, weil sie nur ein Dreivierteljahr an der Uni angestellt sind. Die restliche Zeit nutzen sie, um in Unternehmen zu arbeiten oder selbst welche zu gründen. Gründerinnen und Gründer, die aus der Uni hervorgegangen sind, sind Vorbilder für die Studierenden.“
 
Er selbst sei inzwischen ebenfalls vom Startup-Virus infiziert: „Bevor ich hierhergekommen bin, habe ich mir nicht zugetraut, zu gründen. Aber jetzt, wo ich hier bin und Leute gesehen habe, auch in meinem Alter, die das einfach gemacht haben, würde ich auch ein Unternehmen gründen.“ Dr. Anke Rasmus, Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship an der Uni Kiel, leitet daraus ab: „Wir müssen die Gründerinnen und Gründer, die wir bereits erfolgreich hervorgebracht haben, noch stärker als Zugpferde nutzen. Dazu eignet sich unser ZfE-Inkubator, den wir im November dieses Jahres an der CAU eröffnen werden, ganz hervorragend. Ab dem kommenden Wintersemester werden wir dort regelmäßig erfolgreiche Gründerinnen und Gründer vorstellen.“
 
Neue Räume für den Austausch zwischen Universitäten und Unternehmen
„Studierenden zum Erfolg zu verhelfen, worin auch immer dieser Erfolg besteht.” So beschreibt Standford-Professor David A. B. Miller das Erfolgsrezept seiner Universität. Wichtigste Voraussetzung dafür sei, dass Universitäten „neutrale Orte“ blieben, an denen sich Studierende, Absolventinnen und Absolventen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Unternehmensvertreterinnen und -vertretern frei austauschen können. Millers Rat an die deutschen Gäste lautet deshalb: „Bauen Sie langfristige Beziehungen zu Unternehmen und anderen Stakeholdern auf. Beide Seiten müssen davon profitieren. Die Universitäten möchten ihre Sicht auf wichtige Probleme behalten. Und die Unternehmen brauchen unsere frische Sichtweise auf neue Entwicklungen und Möglichkeiten. Und sie wollen unsere Studentinnen und Studenten!” In einem solchen Ökosystem könne dann das „Entrepreneurial Mindset“ entstehen, für das das Silicon Valley weltweit bekannt sei, meint Miller.
 
Hautnah erlebten die Kieler Besucherinnen dieses Prinzip bei einem Besuch des „Plug and Play Techcenters“, einem Accelerator für Startups in der Sunnyvale. Die Stadt liegt mitten im Silicon Valley. Hunderte Startup-Unternehmen aus der ganzen Welt suchen hier regelmäßig den Zugang zum amerikanischen Markt und zu Investoren. Gründerteams werden in verschiedenen Programmen intensiv beraten, um ihr Businessmodel zu verbessern. Einblicke in das „System Silicon Valley“ gaben Stefan Groschupf von „Saleshero“ und Mostafa Akbari von „HoloBuilder“. Beide arbeiten dort seit längerem erfolgreich. Dabei teilen sie wie viele andere deutsche Startups ihre Aktivitäten auf: Forschung und Entwicklung finden in Deutschland statt, Marketing und Vertrieb in den USA. Aus ihrer Sicht lassen sich besonders im Silicon Valley leicht Kontakte knüpfen und Investoren für Risikokapital finden. Entwickler allerdings seien in Deutschland wegen des höheren Ausbildungsniveaus qualifizierter.
 
Weitere Zusammenarbeit geplant
Im Silicon Valley versammeln sich so Jahr für Jahr Tausende neuer Startups, um ihre Chance auf eine erfolgreiche Gründung zu verbessern. „In Deutschland benötigen wir ebenfalls junge kreative Menschen, die den Mut haben, ihr berufliches Glück in die eigenen Hände zu nehmen. Aktuell haben wir noch viel zu wenig Studierende und Forschende, die sich ernsthaft mit dieser Option auseinandersetzen. Das wollen wir künftig durch mehr Information, attraktive neue Veranstaltungsformate auch mit Partnern aus der Bay Area ändern“, blickt Anke Rasmus voraus in die Zukunft. „Ein interdisziplinäres Zertifikatsprogramm wird Teil dieser Strategie sein. Und selbstverständlich werden wir die engen Kontakte, die wir auf der Reise neu geknüpft haben und vertiefen konnten, in Zukunft dafür nutzen. Denn nur zusammen können wir in Schleswig-Holstein mehr Gründungsdynamik und damit zukunftsfähige Unternehmen ermöglichen“, so Rasmus weiter.
 
„Wir spüren, dass in den USA viele Anstrengungen unternommen werden, um mit Europa und vor allem mit Deutschland in Kontakt zu kommen und zu bleiben“, bilanziert Karin Schwarz. Martina Gerken ergänzt: „Vor diesem Hintergrund möchten wir es CAU-Studierenden gerne ermöglichen, an der Transatlantic Sync-Konferenz im kommenden Jahr teilzunehmen“. Auch werde die Kieler Universität die Frage, wie Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gelingen kann, weiter angehen. „Wir werden Rahmenbedingungen für Studienaufenthalte und Praktika prüfen“, verspricht Karin Schwarz. Erste Gespräche mit dem Vize-Generalkonsul in San Francisco dazu hätten bereits stattgefunden.
 
Mehr Informationen zum Zentrum für Entrepreneurship der CAU:
www.zfe.uni-kiel.de
 

 

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Fotos rechts: Philipp Neuenfeldt; Dr. Anke Rasmus / Uni Kiel;
Dr. Anke Rasmus / Uni Kiel; Philipp Neuenfeldt; Philipp Neuenfeldt