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„Den Resistenzen auf der Spur“ – Schüler werden zu Gesundheitsforschern

25.05.2018

Schüler der Hebbelschule, Humboldt-Schule und Max-Planck-Schule schlüpfen im Rahmen des Kiel Science Outreach Campus (KiSOC) in die Rolle von UKSH-Lungenfachärztin Dr. Ingrid Bobis

Wie können die Bedeutung und die Ergebnisse von Wissenschaft verständlich und motivierend vermittelt werden? Das zeigt ein Promotionsprojekt von Martina Kapitza, Doktorandin am Kiel Science Outreach Campus (KiSOC): Mit Unterstützung von Leif Tüffers, einem in diesem Gebiet forschenden Evolutionsbiologen, entwickelte sie eine Unterrichtseinheit für allgemeinbildende Schulen. Dabei können die Schüler chronische Lungenerkrankungen, insbesondere die angeborene Stoffwechselstörung Mukoviszidose, in der Rolle von Dr. Ingrid Bobis erfahren. Die Fachärztin am Entzündungszentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, betreut Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen an der Klinik für Innere Medizin I und leitet das Mukoviszidose-Zentrum für Erwachsene. „Mit dem Ziel, interdisziplinäre Forschung an der Schnittstelle zwischen Biologie und Medizin für Schülerinnen und Schüler erfahrbar zu machen, haben wir einen Schülerlabor-Projekttag im Rahmen des life:labors der Kieler Forschungswerkstatt für die Klassenstufen 9 bis 11 über aktuelle Forschung zu Antibiotikaresistenz bei Mukoviszidose entwickelt“, sagt Martina Kapitza.

Der Tag beginnt mit einem Einführungsfilm, den Kapitza und Tüffers in Zusammenarbeit mit Dr. Bobis gedreht haben. Darin erklärt die Internistin den Schülerinnen und Schülern, was Mukoviszidose ist und wie die Patienten behandelt werden. Nach dem Film und einem mikrobiologischen Methodenkursus sind die Schülerinnen und Schüler gut gewappnet, um in die Rolle der Medizinerin zu schlüpfen und ihre Aufgabe zu übernehmen. Dafür haben wurden anonymisierte Patientendaten so aufbereitet, dass die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, auf einer digitalen Plattform Mukoviszidose-Patienten eigenständig mit Antibiotika zu behandeln. „So kommen die Jugendlichen direkt mit dem Thema Evolution von Antibiotikaresistenzen in Berührung. Gleichzeitig können wir praxisnah vermitteln, wie eng Krankenversorgung und Forschung an einem Universitätsklinikum miteinander verbunden sind und sich gegenseitig ergänzen“, erklärt Dr. Bobis. Nach dem Einblick in die medizinische Praxis setzen sie sich während der anschließenden Diskussion mit dem Evolutionsbiologen Leif Tüffers mit aktuellen Forschungsansätzen auseinander.

„Für unsere Schülerinnen und Schüler ist dieses Projekt eine großartige Möglichkeit, sehr nah an den Berufsalltag von Forschenden heranzukommen und einen authentischen Einblick in Medizin und Wissenschaft zu gewinnen“, sagt Denise Brückner, Klassenlehrerin der Klasse 9b der Hebbelschule Kiel. „Dies hilft nicht nur bei der Berufsorientierung, sondern ermöglicht auch, das Wesen und die Methoden der Wissenschaft einmal von einer Metaebene aus zu betrachten und zu reflektieren.“

Martina Kapitza erklärt: „Ziel ist es, die Materialien anschließend auf einer Website frei zugänglich zu machen, sodass diese in Kombination, aber auch einzeln für Lehrkräfte im Unterricht einsetzbar sind. Ergänzend zum Schülerlaborbesuch führen wir auch eine Vorbereitungsstunde mit den Schulklassen durch.“ Einige Gruppen (je nach Zuteilung im Studiendesign) erhalten auch eine Nachbereitungsstunde. Der Projekttag „Den Resistenzen auf der Spur“ ist Teil eines Forschungsvorhabens von Martina Kapitza im Rahmen ihrer Promotion innerhalb des Leibniz-Wissenschafts-Campus KiSOC.

Der Kiel Science Outreach Campus untersucht in mehreren Projekten, wie Wissenschaft an verschiedene Zielgruppen der Gesellschaft transportiert werden kann. Dafür werden im KiSOC ausgewählte Präsentationsformate untersucht, weiterentwickelt und evaluiert, so dass kritische Einflussfaktoren auf die Wirkung der Aktivität herausgearbeitet werden können. Die Förderung des KiSOC wird gemeinsam von der Leibniz-Gemeinschaft, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein (MSGWG) getragen und läuft über eine Dauer von vier Jahren. Dabei arbeiten die Wissenschaftler eng mit der Kieler Forschungswerkstatt, dem Kiel Evolution Center sowie dem Cluster of Excellence Inflammation at Interfaces zusammen.

 

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske