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Kieler Wissenschaftspreis 2017 und neuer Innovationspreis verliehen

26.06.2017

In einer Festsitzung der Kieler Ratsversammlung wurden am Sonntag, 25. Juni, der Wissenschaftspreis der Landeshauptstadt Kiel 2017 und der neue Innovationspreis der Landeshauptstadt Kiel verliehen. Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer überreichten den mit 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis an die Mikrobiologin Professorin Dr. Ruth Schmitz-Streit von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Der ebenfalls mit 10.000 Euro dotierte erste Innovationspreis geht zu gleichen Teilen an den Physiker Professor Dr. Ronald Eisele von der Fachhochschule Kiel und das Science Communication Lab aus dem Umfeld der Muthesius Kunsthochschule.

Der Wissenschaftspreis wird traditionell in der Kieler Woche im jährlichen Wechsel mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel vergeben. Der Innovationspreis wird nun ebenfalls alle zwei Jahre verliehen, zusammen mit dem Wissenschaftspreis. Vorgeschlagen werden die Preisträgerinnen und Preisträger vom Kieler Kultur- und Wissenschaftssenat. Der Senat hat 2016 eine neue Struktur erhalten und erstmals in neuer Zusammensetzung Preisträger vorgeschlagen. Die Kieler Ratsversammlung hat die Auswahl des Senats einstimmig bestätigt.
 
Professorin Dr. Ruth Schmitz-Streit (Jahrgang 1965) lehrt seit 2004 am Institut für Allgemeine Mikrobiologie der CAU. Nach ihrem Studium und ihrer Promotion in Marburg forschte sie an der University of California in Berkeley, USA. Schmitz-Streit hat sich mit ihrer Arbeit spezialisiert auf die Regulierung des Stickstoff-Stoffwechsels in Bakterien und Archaeen – einzelligen Lebewesen, die auch als Urbakterien bezeichnet werden. Anhand ihrer Forschung wurden sowohl die Bedeutung als auch die molekularen Mechanismen im Erbgut von Archaeen erstmalig aufgedeckt. Außerdem untersucht Schmitz-Streit den marinen Stickstoffzyklus und die Wechselwirkung von Archaeen mit dem angeborenen Immunsystem im menschlichen Verdauungstrakt. Ihre Arbeit ist von enormer Bedeutung für die medizinische und biotechnische Forschung und wurde daher mit dem Wissenschaftspreis 2017 ausgezeichnet.
 
Professor Dr. Ronald Eisele studierte Physik in Hamburg und Kiel und promovierte anschließend an der CAU zu Kiel. Seit 2006 arbeitet er im Fachbereich Informatik und Elektrotechnik an der Fachhochschule Kiel. Dort gründete er das Labor für Aufbau- und Verbindungstechnik. Mit der Entwicklung einer neuen Technik in der Halbleiterphysik hält er gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und in Zusammenarbeit mit Industriepartnern den Weltrekord im Lastwechsel. Mit diesem Eisele- Verfahren steigerte er die Lebensdauer von Halbleitern um mehr als das Zwanzigfache. Die Innovation wird in der Industrie bereits bei Windkraftanlagen und Elektrofahrzeugen erprobt. Für sein neu entwickeltes Verfahren erhielt Professor Ronald Eisele den geteilten Innovationspreis 2017.
 
Ebenfalls mit dem geteilten Innovationspreis 2017 ausgezeichnet wurde das Science Communication Lab (SciComLab). Tom Duscher, Professor für Interaktive Medien an der Muthesius Kunsthochschule, hat das Unternehmen gemeinsam mit seinem Studienabsolventen Konrad Rappaport und dem Masterstudenten Hermann Hartung gegründet. Komplexe Themen aus der Wissenschaft und Industrie werden mittels moderner Technik und ansprechendem Design auf interaktiven Postern vereinfacht visuell dargestellt und vermittelt. Die Betrachter entscheiden anhand der Bedienung eines Touch-Screens selbst über die Informationstiefe der Themen. Für diese Entwicklung erhielten die Jungunternehmer bereits zwei internationale Design-Preise, nämlich den Red Dot Award in der Kategorie Best of the Best und den German Design Award in Gold 2016.
 
In seiner Begrüßung zur Preisverleihung betonte Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, dass „Kiel nicht nur viele großartige Expertinnen und Experten in der Forschung und Lehre beherbergt, sondern darüber hinaus auch viele kluge Köpfe, die aus Wissen neue Entwicklungen und Erfindungen generieren – und das durchaus auch mit wirtschaftlichem Erfolg.“ Der neue Innovationspreis neben dem Wissenschaftspreis und die Preisverleihung insgesamt kommen aus Sicht Tovars „genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn Wissenschaft und Forschung werden zurzeit mehr und mehr zu einem sichtbaren Markenzeichen Kiels, auch überregional.“ Der Stadt sei sehr an einer engen Zusammenarbeit mit den Hochschulen gelegen: „Gemeinsam wollen wir national und international sichtbarer werden.“
 
Grüße des Landes Schleswig-Holstein überbrachte Staatsekretär Rolf Fischer. „Die Jury hat mit der Auswahl der Preisträger eine gute und weise und zudem sehr ausgewogene Entscheidung getroffen. Die Preisverleihung macht ganz unterschiedliche Aspekte wissenschaftlichen und künstlerischen Wirkens sichtbar. Sie verdeutlicht exemplarisch, welche Stärken und Potenziale der Standort Kiel hat. Es ist beeindruckend, was an den Hochschulen geleistet wird, und es ist wichtig, darauf immer wieder aufmerksam zu machen“, sagte Wissenschafts-Staatssekretär Fischer. „Schleswig-Holstein und die Landeshauptstadt stehen im Wettbewerb sowohl um zukunftsträchtige Unternehmen als auch um junge, gut ausgebildete Menschen und um exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es geht darum, zu zeigen, dass Kiel in wichtigen Bereichen nicht eine Wahl unter vielen ist – sondern „the Place to be“, wenn man in einem bestimmten Forschungsfeld etwas werden will.
 
Prof. Dr. Lutz Kipp, Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Vorsitzender des Kultur- und Wissenschaftssenats der Landeshauptstadt Kiel, unterstrich angesichts des neuen Preises die Bedeutung von Innovationen: „Angesichts der aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen benötigt diese Welt dringend Innovationen – technologische, aber auch digitale und soziale.“
 
Der Preisträgerin des Wissenschaftspreises und den Trägern des Innnovationspreises sei, so Kipp, „eine ganz wichtige Sache gemeinsam: Ihre Arbeit wird bestimmt von einem ‚verbindenden Element‘. Sie schlagen Brücken: zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.“
 
In seiner Laudatio betonte Professor Frank Kempken vom Botanischen Institut der CAU, dass Wissenschaftspreisträgerin Professorin Dr. Ruth Schmitz-Streit „nicht nur eine hochkarätige Forscherin ist, sondern auch eine hervorragende akademische Lehrerin, die in idealer Weise Forschung und Lehre in einem hochkompetitiven Forschungsfeld zu verbinden vermag und sich außerdem sehr stark für Nachwuchswissenschaftlerinnen einsetzt.“
 
Mit der „Ausnahmewissenschaftlerin in der absoluten Spitzengruppe ihres Fachgebietes“ werde eine „außergewöhnliche Kollegin geehrt, die als international renommierte und hochsichtbare Forschungspersönlichkeit von essentieller Bedeutung für die Exzellenzforschung in Schleswig-Holstein ist und den Ruf Kiels als Wissenschaftsstandort beträchtlich erweitert und verstärkt.“
 
Prof. Dr.-Ing. Frank Osterwald von der Danfoss Silicon Power GmbH (Flensburg) würdigte in seiner Laudatio den Innovationspreisträger Professor Dr. Ronald Eisele: „Er ist nicht nur ein brillanter Kenner seines Metiers, sondern kann sich auch sehr gut in seine Zuhörer hineinversetzen, denen er mit guten Beispielen und sehr anschaulich die komplexesten technischen Sachverhalte erklären kann. Dies macht ihn nicht nur zu einem hervorragenden Hochschullehrer und Vortragenden, sondern auch zu einem erfolgreichen Innovator, denn er kann die am Innovationsprozess Beteiligten stets mitreißen.“
 
Zudem bilde Eisele als Hochschullehrer auch gleich das zukünftige Personal für die Entwicklung seiner Patente mit aus. Allein bei Danfoss arbeiten mittlerweile etwa 30 junge Talente aus Eiseles „Schmiede“ an Windkraftanlagen.
 
„Passionierte Beschreiter neuer Wege“ überschrieb Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Bosch vom Zoologischen Institut der CAU seine Laudatio auf den Innovationspreisträger Science Communication Lab und dessen neue Form der Visualisierung von naturwissenschaftlichem Erkenntnisgewinn mit dem Interaktiven Poster. Die junge Agentur von Tom Duscher und Konstantin Rappaport mit Sitz im Kieler Anscharpark verbinde „die klassischen Disziplinen der Wissenschaftskommunikation wie den Journalismus und Public Outreach/PR-Aktivitäten mit einer hohen Design- und Visualisierungskompetenz und bietet damit eine völlig neue Grundlage für den Erwerb von Wissen.“
 
Für den Laudator steht fest: „In der Wissenschaft brauchen wir einen ganzheitlichen Blick auf die Dinge. Und dafür brauchen wir auch die Visualisierung komplexer Informationen.“ Weiter sagte Bosch: „Die geläufigen Forschungsmethoden in den Lebenswissenschaften können nur gewinnen, wenn sie Kommunikationsdesigner und Künstler in diese Prozesse einbeziehen.“
 
 
 
Bisherige Trägerinnen und Träger des Wissenschaftspreises:
 
Erster Preisträger des Wissenschaftspreises der Landeshauptstadt Kiel war 2001 der Kieler Pathologe und Anatom Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Karl Lennert. 2003 ging der Preis an den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert Giersch.
 
2005 teilten sich die Auszeichnung der Biochemiker Dr. Stefan Rose-John und der Gastroenterologe Prof. Dr. Stefan Schreiber, 2007 waren es der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heinrich Detering sowie der Meeresgeologe und Chemiker Prof. Dr. Klaus Wallmann. 2009 ging die Auszeichnung an Prof. Dr. Friedhelm Taube vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der CAU und an den jungen Privatdozenten Dr. Konstantin Khalturin vom Zoologischen Institut der CAU.
 
Mit der Theologin Prof. Uta Pohl-Patalong (CAU) wurde 2011 erstmals eine Frau mit dem Wissenschaftspreis der Landeshauptstadt Kiel geehrt. 2013 erhielt erneut eine Frau die Auszeichnung: Die Ingenieurin Prof. Dr. Martina Gerken teilte sich den Wissenschaftspreis mit dem Juristen Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Robert Alexy (beide CAU). Der Chemiker und Nanowissenschaftler Prof. Dr. Rainer Herges (CAU) erhielt den Preis im Jahr 2015. Auch die Preisträgerin 2017, Mikrobiologin Prof. Dr. Ruth Schmitz-Streit, lehrt an der Kieler Universität.



Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Foto rechts: Landeshauptstadt Kiel / Peter Lühr