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Exzellenzstrategie: Uni Kiel nimmt wichtige Hürde

29.09.2017

CAU darf drei Vollanträge im Förderprogramm für Spitzenforschung stellen

Das dreistufige Auswahlverfahren in diesem Wettbewerb um Forschungsmillionen ist eisenhart: 195 wissenschaftliche Projektskizzen von 63 Universitäten aus allen 16 Bundesländern konkurrierten in der neuen Exzellenzstrategie von Bund und Ländern um eine Milliardenförderung für die Spitzenforschung. Nur rund ein Viertel davon wird erfolgreich sein. Am Freitag, 29. September, gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn bekannt, welche 88 Projekte von welchen Universitäten sich für die Finalrunde qualifiziert haben. Darunter ist die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Gemeinsam mit ihren Partnerinstitutionen kann die schleswig-holsteinische Landesuniversität jetzt drei ihrer vier Antragsskizzen für die finale Begutachtung einreichen. Die Entscheidung über eine Förderung fällt in einem Jahr.
 
CAU-Präsident Professor Lutz Kipp wertet die erfolgreiche Zwischen-Begutachtung der CAU-Anträge aus den Bereichen Meereswissenschaften, Entzündungsforschung sowie Gesellschaften im Wandel „als ganz starkes Signal für die Qualität des Wissenschafts- und Innovationslandes Schleswig-Holstein.“ Gewonnen sei zwar noch nichts, so der Physiker, scheinbar habe die über mehr als eine Dekade in Kiel betriebene Schwerpunktbildung und gelebte Integration beteiligter Forschungsbereiche und Partner die Gutachterinnen und Gutachter aber beeindruckt. „Das verdanken wir vor allem der Kreativität unserer Forschenden und dem gemeinsamen Willen der Fakultäten, Schwerpunkte, Cluster und Gremien, das Profil unserer Universität zu schärfen und gemeinsame Antworten für große wissenschaftliche Fragestellungen zu finden“, lobte Kipp. Jetzt gelte es, Möglichkeiten in Erfolge umzumünzen.

 
Großer Jubel bei Cluster Entzündungsforschung
 
Nach zwei erfolgreichen Förderphasen darf der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“ (Entzündungsforschung) den Vollantrag für einen künftigen Cluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (Präzisionsentzündungsmedizin) stellen. Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters, freut sich über die Anerkennung der bisher geleisteten Arbeit. Der Dekan der Kieler Medizinischen Fakultät der CAU, Professor Ulrich Stephani, ergänzt: „Seit 2007 haben wir an vier Standorten in Schleswig-Holstein fachübergreifend geforscht und zusammengearbeitet. Daraus sind wegweisende Strukturen entstanden, die den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein international sichtbar gemacht haben. An unserer erfolgreichen Forschung, die auch für Patientinnen und Patienten einen unmittelbaren Nutzen hat, wollen wir in den kommenden Jahren weiter intensiv arbeiten.“

 
Kieler Meeresforschung: Auf zu neuen Ufern
 
Die Entscheidung des Expertengremiums der DFG bestärkt auch die Kieler Meeresforschung in der Neuausrichtung ihrer Forschungsagenda. „Mit unserem Antrag ‚Future Ocean Sustainability‘ wollen wir die in Kiel starke interdisziplinäre Erforschung des Ozean- und Klimawandels weiter ausbauen. Erstmals verknüpfen wir dies unmittelbar mit den Nachhaltigkeitszielen der UN-Agenda 2030“, kündigt Professor Martin Visbeck, Sprecher des Exzellenzclusters „Future Ocean“ und Leiter der Forschungseinheit Physikalische Ozeanographie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, an. Das System Ozean leide, so der Ozeanograph: „Deshalb braucht es im internationalen Kontext dringend ein tragfähiges und wissensbasiertes Nachdenken über Strategien für eine nachhaltige Nutzung der Meere. Dazu wollen wir in Kiel beitragen und stellen jetzt einen entsprechenden Vollantrag.“
 

ROOTS auf dem Weg zum Exzellenzcluster
 
Die erste Hürde auf dem Weg zum Exzellenzcluster ist genommen, freuen sich die Initiatorinnen und Initiatoren des Antrags „ROOTS – Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten“. Der neue Cluster will durch ein besseres Verständnis der dynamischen Umwelt-Gesellschaft-Beziehungen vergangener Zeiten die „Wurzeln“ gegenwärtiger Krisen unter verschiedenen sozialen, kulturellen, ökologischen und ökonomischen Aspekten neu erforschen. „Um solch komplexe Fragestellungen innovativ und tiefgreifend anzugehen, haben sich für den ROOTS-Antrag Forscherinnen und Forscher aus den Geistes- und Naturwissenschaften sowie den Lebens- und Ingenieurwissenschaften zusammengetan“, erklärt Professor Johannes Müller, Archäologe und Sprecher der Initiative. „Nach zehn Jahren Erfahrung in der Graduiertenschule ‚Human Development in Landscapes‘ sehen wir in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf exzellentem Niveau ein wertvolles Potenzial für künftige herausragende Forschung“, ergänzt die Archäologin Professorin Annette Haug. „Darauf aufbauend wollen wir sechs neue Themenfelder bearbeiten: Umweltgefahren und ihre Auswirkungen, Ernährung im Wandel, Wissensproduktion, Technologie und Innovation, Städtische Räume, Soziale Ungleichheit sowie Konflikt und Schlichtung“, kündigt Professor Wolfgang Rabbel vom Institut für Geowissenschaften an.

 
Molekulare Bausteine und Nanomaterialien aus Kiel gehen neue Wege
 
Der Kieler Antrag „Responsive Nanosystems“, der das Ziel hatte, neuartige molekulare Bausteine und Nanomaterialien zu entwickeln, schaffte es nicht in die Endauswahl. „Vielen Dank an alle, die zur Antragsstellung mit viel Einsatz beigetragen haben. Auch wenn wir keinen Vollantrag einreichen, bin ich zuversichtlich, dass sich etliche Ideen gut in anderem Rahmen realisieren lassen“, kommentierte Richard Berndt, Professor für experimentelle Physik und Sprecher der Clusterinitiative Responsive Nanosystems, die Entscheidung der DFG.

 
Die Exzellenzstrategie

 
Die Exzellenzstrategie stärkt die universitäre Spitzenforschung. Sie umfasst die Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Zum ersten Mal nutzen Bund und Länder für die besten Universitäten des Landes den verfassungsrechtlichen Spielraum, den der neue Artikel 91b GG bietet. Mit der Exzellenzstrategie werden Hochschulen mit jährlich 533 Millionen Euro gefördert. Anders als ihre Vorgängerin, die Exzellenzinitiative, ist sie nicht befristet, sondern auf Dauer angelegt. Das Gesamtprogramm ist 2018 mit jährlich insgesamt 533 Millionen Euro dotiert. Die Mittel sollen vom Bund und den jeweiligen Sitzländern im Verhältnis 75:25 getragen werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat verantworten das wissenschaftsgeleitete Begutachtungs- und Auswahlverfahren. Es gibt zwei Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Alle sieben Jahre müssen sich künftige Exzellenzuniversitäten dem Wettbewerb mit Neuanträgen aus anderen Universitäten stellen. In der ersten Ausschreibungsrunde werden bei Erfolg im wettbewerblichen Verfahren elf Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Universitätsverbünde gefördert.

 
Partner der CAU in der Exzellenzstrategie

Archäologisches Landesmuseum Schleswig (ALM), Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY), Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW), GEOMAR – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG), Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW), Leibniz-Forschungszentrum Borstel (FZB), Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön (MPI), Muthesius Kunsthochschule, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Universität zu Lübeck (UzL), Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Schleswig
 

Link
Exzellenzstrategie, Bundesministerium für Bildung und Forschung

 

Kopfbild: Landeshauptstadt Kiel / Kerstin Dronske
Fotos: Anselm Zielonka/ EC „Inflammation at Interfaces“; Gabriele Schlipf /
Future Ocean; GSHDL / Uni Kiel; Angelina Niepenberg