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8. Global Economic Symposium: „Nationen müssen stärker kooperieren“

15.10.2015


•    400 internationale Teilnehmer diskutierten Lösungen für globale Probleme
•    60 konkrete Lösungsvorschläge werden an Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft herangetragen
•    Dennis Snower: „Flüchtlinge als Teil von uns willkommen heißen“
•    Türkischer Finanzminsister Şimşek verspricht entschiedenen Reform-Fahrplan
•    GES 2016 in der Türkei

Kiel  – Das 8. Global Economic Symposium (GES) unter dem Motto „Values to Guide Economies“ geht zur Stunde zu Ende. Insgesamt waren rund 400 Teilnehmer zu Gast, darunter rund 100 Sprecher, und diskutierten Lösungen für globale Probleme. Rund 60 konkrete Lösungsvorschläge, etwa zur Lösung der Flüchtlingskrise oder zur Stabilisierung des Finanzsystems, sollen an Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik herangetragen werden. Zu den Gästen zählten unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof, der türkische Finanzminister Mehmet Simsek, die Vizepräsidentin der Deutschen Bundebank, Claudia Buch, und führende Religionsvertreter, wie der ehemalige muslimische Großmufti Mustafa Ceric.

Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, dem Organisator des GES, betonte  die Notwendigkeit gemeinsamer Werte für ein friedliches Zusammenleben und eine prosperierende Ökonomie. „Je globaler und  vernetzter unsere Welt wird, desto globaler und vernetzter werden auch unserer Probleme“, so Snower. Nur wenn es gelinge, sich auf gemeinsame Werte zu verständigen, sei der Weg frei für Kooperation und Zusammenarbeit. Dafür biete die Flüchtlingskrise eine „einmalige Gelegenheit“, da sie nicht nationalstaatlich, sondern nur durch gemeinsames Handeln auf globaler Ebene zu lösen sei.

Lösungen für die Flüchtlingskrise waren einer der Schwerpunkte des GES. Matthias Lücke, Forscher im Bereich Armutsminderung und Entwicklung am IfW, fordert in seinem Lösungsvorschlag, die Verantwortung für den Umgang mit den Flüchtlingen sowie die Finanzierung müsse alleine auf EU-Ebene angesiedelt sein. Die Mitgliedsstaaten müssten sich den Entscheidungen der EU fügen. In einer Szenario-Rechnung beziffert er die jährlichen Kosten der Flüchtlingskrise alleine für Deutschland auf ca. 45 Milliarden, davon ausgehend, dass ein Flüchtling drei Jahre staatliche Zuwendungen benötigt, bevor er für sich selbst sorgen kann oder ins Heimatland zurückkehrt. „Ein so hoher Betrag kann kaum ohne empfindliche Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen aufgebracht werden“, so Lücke.

Christian Kastrop, Leiter Wirtschaftspolitische Studien bei der OECD, stellte auf dem GES seine Idee zur Konsolidierung öffentlicher Haushalte vor. „Ohne Haushaltskonsolidierung kein nachhaltiges Wachstum“, so Kastrop. Dabei sei jedoch von entscheidender Bedeutung, welche Ausgaben  gekürzt und an welcher Stelle Steuern erhöht würden. Ausgabenkürzungen bei Subventionen und Renten sowie eine Anhebung der Erbschaftssteuer seien am wenigsten schädlich für das Wirtschaftswachstum. Problematisch sei die Erhöhung von Sozialversicherungsbeiträgen sowie Kürzungen im Bereich Bildung und Gesundheitswesen.

Demgegenüber hält Nobelpreisträger George Akerlof Schulden nicht per se für ein Problem. „Ein Schuldschein kann auch ein gutes Wertpapier sein“, so Akerlof in der GES-Session „Is Debt Poisonous?“.

Der Türkische Finanzminister Mehmet Şimşek sprach am Mittwoch auf dem GES über die wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen seines Landes. Es gebe derzeit „keine guten Schlagzeilen, aber das Bild ist nicht so schlecht, wie viele Leute denken“, so Şimşek. „Es war in den letzten zwei Jahren eine holprige Fahrt. Das ist in der Regel ein guter Zeitpunkt, um die Menschen davon zu überzeugen, dass Reformen notwendig sind.“ Für die kommenden Jahre versprach Şimşek einen entschiedenen Reformfahrplan.

2016 wird das Global Economic Symposium in Istanbul stattfinden. „Wir haben auf dem GES damit die einmalige Chance, globale Herausforderungen, bei denen die Türkei eine Schlüsselrolle spielt, vor Ort und mit regionalen Experten zu diskutieren“, so Dennis Snower. Als Beispiel nannte er die Flüchtlingskrise und die Situation in Syrien und im Irak, ebenso die  Frage, wie in einem Emerging-Market-Land wie der Türkei Wohlstand gerecht verteilt werden kann.

Alle eingereichten  Lösungsvorschläge, eine Übersicht über die spannendsten Diskussionen sowie Videos und Fotos vom GES finden Sie unter: www.global-economic-symposium.com.   

 

Kopfbild: Raissa Nickel / Uni Kiel
Foto rechts: GES / christina kloodt fotografie