Detailansicht

Logo: wissenschafftzukunft kiel
Logo: Landeshauptstadt Kiel
DetailansichtDetailansicht
Logo: wissenschafftzukunft kiel

Kieler Kulturpreis 2016 verliehen 
an den Kieler Künstler Ulrich Behl

27.06.2016

Hornist Lukas Meyerolbersleben erhielt Förderpreis Kultur

Der Kieler Zeichner, Grafiker und Objektkünstler Ulrich Behl hat den mit 10.000 Euro dotierten Kulturpreis 2016 der Landeshauptstadt Kiel erhalten. Der Förderpreis Kultur in Höhe von 4000 Euro ging an den jungen Kieler Hornisten Lukas Meyerolbersleben.

In einer Festsitzung der Kieler Ratsversammlung überreichten Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer am Sonntag, 26. Juni, die Preise. Die Preisverleihung bildete einen der letzten Höhepunkte der Kieler Woche 2016. Viele Gäste aus den Bereichen Bildende Kunst und Musik nahmen an der Würdigung teil.

„Ulrich Behl hat sich als national und international anerkannter Künstler sowie als umtriebiger Kunstvermittler um die Landeshauptstadt Kiel verdient gemacht“, steht in der Urkunde der Stadt für den Kulturpreisträger 2016. Behl ist der Nachfolger des spanischen Komponisten Christóbal Halffter, der den Preis 2014 erhalten hatte.

Zum Preisträger des Förderpreises heißt es: „Lukas Meyerolbersleben hat sich bereits als Jugendlicher national und international hohe Anerkennung als Hornist erworben. Er wird als junger Musiker mit großem Zukunftspotenzial geehrt.“ Der Förderpreis wurde erst zum zweiten Mal verliehen.

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar freute sich in seiner Ansprache mit den  beiden Preisträgern, „die beide sehr eng mit unserer Stadt in Verbindung stehen und hier bemerkenswerte Signale gesetzt haben: Der eine im optischen Bereich, über mehr als vier Jahrzehnte. Der andere hat bereits in jungen Jahren die musikalische Fachwelt aufhorchen lassen.“

Über den 76-jährigen Ulrich Behl sagte Stadtpräsident Tovar: „Umtriebig, rührig, verbindend und verbindlich, freundlich, aufgeschlossen, interessiert, gesprächig, munter, wissend und wissbegierig, überall herumwuselnd – so kennt die Kulturszene den national und international bekannten Künstler, Kunstvermittler, Galeristen, ehemaligen PH-Dozenten und VHS-Fachbereichsleiter für Literatur, Kunst und Gestaltung, den Menschen Ulrich Behl.“

Tovar erinnerte auch daran, dass Behl Mitte der 1970er Jahre auch zu den Mitentwicklern der Spiellinie zur Kieler Woche gehörte. Die Spiellinie ist heute das größte Kinder-Kultur-Angebot unter freiem Himmel in Deutschland.

Den jungen Kieler Hornisten Lukas Meyerolbersleben bezeichnete Stadtpräsident Tovar als „eine echte musikalische Ausnahmeerscheinung“. Er wünschte dem gerade mitten im Abitur stehenden Musiker: „Möge Sie der heutige Tag beflügeln und Ihnen Geistesblitze und Energie spenden!“

Schleswig-Holsteins Ministerin für Justiz, Kultur und Europa Anke Spoorendonk würdigte in ihren Grußworten den Kieler Kulturpreis als „Traditionsmarke“ und „wichtige Auszeichnung für Künstlerpersönlichkeiten der Stadt und des Landes. Der Preis wird zu Recht weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus wahrgenommen.“ Alle Preisträger seien zugleich kulturelle Botschafter Kiels und des Landes Schleswig-Holsteins.

Spoorendonk gratulierte der Stadt zur Auswahl der Preisträger. UIrich Behl sei einer der „wichtigsten bildenden Künstler unseres Landes“ und außerdem „immer auch ein Vermittler, einer der sich für die kulturelle und ästhetische Bildung junger Menschen und Erwachsenen einsetzte.“ Auch freute sich Spoorendonk „außerordentlich“ über das junge musikalische Talent Lukas Meyerolbersleben.

Zudem brachte Ministerin Spoorendonk ihre Freude über die engagierte Kulturpolitik der Landeshauptstadt Kiel zum Ausdruck.

Professor Lutz Kipp, Präsident der Christian-Albrechts-Universität und Vorsitzender des Kultur- und Wissenschaftssenates der Landeshauptstadt Kiel, freute sich, dass die Kieler Ratsversammlung dem Preisträger-Vorschlag des Senates gefolgt ist. Er sprach den beiden Preisträgern seine allerhöchste Anerkennung aus.

Weiterhin stellte Kipp die Bedeutung einer vielfältigen und lebendigen „Kulturlandschaft“ als identitätsstiftendes Element in einer Stadt heraus und äußerte den Wunsch, die unterschiedlichen kulturellen Bereiche – zu denen definitionsgemäß auch die Wissenschaft zähle – stärker miteinander zu vernetzen und zukünftig sichtbarer in der Stadt zu verankern. Eine dynamische Kulturszene – so Kipp – trage maßgeblich zur Innovationsfähigkeit eines Standortes bei.

In ihrer Laudatio auf Kulturpreisträger Behl sagte Dr. Marina von Assel, Leiterin des Kunstmuseums Bayreuth: „Sein nimmermüder Geist sucht ständig neue Herausforderungen, muss stets Althergebrachtes umstoßen und in der Verbindung von scheinbar unvereinbaren Gegensätzlichkeiten die Quadratur des Kreises wagen.“ Sie würdigte Behl als wichtigen Vertreter der Konstruktiven und Konkreten Kunst und gratulierte dem „Forscher konkreter sinnlicher visueller Erfahrungen in Licht und Raum“ herzlich zur Auszeichnung.

Lukas Meyeroberslebens „Fähigkeit zur absoluten Versenkung ins Hier und Jetzt der Musik“ schon in jungen Jahren hob Laudator Dr. Michael Struck hervor. Der Musikwissenschaftler von der Kieler Universität erläuterte, dass für das Hornspiel ein Höchstmaß an körperlicher und geistiger Konzentration und allgemeiner Musikalität erforderlich sei. „Genau diese Verbindung hat Lukas Meyerolbersleben schon als Schüler in erstaunlicher Weise verkörpert.“ Das Fazit des Laudators: „Lukas Meyerolbersleben ist schon jetzt ein außergewöhnlicher, ernstzunehmender Musiker, der das Horn famos beherrscht.“



Ulrich Behl, Kieler Kulturpreisträger 2016

Ulrich Behl, geboren am 22. September 1939 im pommerschen Arnswalde, ist nicht nur ein Vertreter der Konkreten Kunst, sondern auch ein Kunstvermittler. Der Kultur- und Wissenschaftssenat der Landeshauptstadt Kiel bezeichnete ihn auch als „Menschenverbinder“.

Behl studierte an der Werkkunstschule in Hannover sowie Kunstgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, war Dozent an der Pädagogischen Hochschule Kiel und leitete mehr als 20 Jahre lang den Fachbereich Literatur, Kunst und Gestaltung der Kieler Volkshochschule.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten nimmt Ulrich Behl an Ausstellungen teil, seine Arbeiten sind in deutschen und internationalen Museen und Sammlungen zu sehen. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den Landesschaukunstpreis des BBK Schleswig-Holstein 2008. 1995 war Behl der einzige deutsche Teilnehmer der Arte Laguna während der Biennale in Venedig, 1997 war er Ehrengast der Villa Massimo in Rom.

Vielen Kielerinnen und Kielern ist Behl bekannt durch die alljährlich auf den Kleinen Kiel gesetzten pyramidenförmigen Teile aus Aluminiumblech. Die 1987 erstmals präsentierte 27-teilige Schwimmskulptur wurde 1993 vom Kieler Architekten Diethelm Hoffmann von dessen Preisgeld als Kieler Kulturpreisträger 1990 angekauft und als Geschenk an die Landeshauptstadt Kiel weitergegeben.

Mit seinen zarten Zeichnungen und Lichtobjekten hat Ulrich Behl die Menschen immer wieder zum Hinkucken und Innehalten bewegt. Seinen 75. Geburtstag nahm er zum Anlass für eine umfangreiche Werkschau, die bereits in Kiel zu sehen war und nun in deutschen und ausländischen Häusern gezeigt wird.

Anlässlich der Preisverleihung zeigt die Stadtgalerie Kiel, Andreas-Gayk-Straße 31, in ihrem Foyer bis zum 3. Juli Werke von Ulrich Behl aus unterschiedlichen Schaffensperioden.

 
Lukas Meyerolbersleben, Träger des Förderpreises Kultur 2016

Lukas Sebastian Meyerolbersleben, geboren am 15. Mai 1997 in Achern, wohnt seit seinem dritten Lebensjahr in Kiel. Mit acht Jahren begann er Horn zu spielen und wurde bereits 2008 in Kiel mit dem „Chiffren“-Preis für Neue Musik ausgezeichnet. Bei „Jugend musiziert“ und weiteren nationalen wie internationalen Wettbewerben gewann er erste Preise, unter anderem 2012 beim internationalen Hornwettbewerb „Federico II di Svevia“ in Bari (Italien). Orchestererfahrungen sammelte er nicht nur im Sinfonieorchester des Kieler Ernst-Barlach-Gymnasiums. 2012 spielte er mit dem Philharmonischen Orchester Kiel beim Classic-Open-Air der Kieler Woche auf dem Rathausplatz. Seit 2013 ist er 1. Hornist im Bundesjugendorchester.



64 Jahre Kieler Kulturpreis

Der mit 10.000 Euro dotierte Kieler Kulturpreis wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Wissenschaftspreis vergeben. Erster Träger des Kieler Kulturpreises war 1952 der Maler Emil Nolde. Der Preis wird auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats für hervorragende kulturelle Leistungen vergeben. Als Preisträger ist Ulrich Behl Nachfolger des spanischen Komponisten Cristóbal Halffter, der 2014 ausgezeichnet wurde.

Seit 2001 wird der Kieler Kulturpreis alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Kieler Wissenschaftspreis auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats von der Ratsversammlung verliehen. 2015 wurde dem Turnus entsprechend der Wissenschaftspreis vergeben. Ausgezeichnet wurde der Chemiker und Nanowissenschaftler Prof. Dr. Rainer Herges.

2016 wird zum zweiten Mal zusätzlich zum Kulturpreis der Förderpreis Kultur (Dotierung: 4000 Euro) verliehen, ebenfalls auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats. Der Preis wird vergeben an junge Menschen, die herausragende kulturell schöpferische Leistungen erwarten lassen. Erste Preisträgerin 2014 war die kanadische Tänzerin Victoria Lane Green vom Ballett Kiel.




Kopfbild: Raissa Nickel / Uni Kiel
Foto rechts: Landeshauptstadt Kiel / Peter Lühr